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Man muss die Dinge immer bis zum Ende denken


Klare Vorstellungen, ein Blick für die Praxis und das Ziel, jedem Kind die besten Chancen zu ermöglichen: Bildungslandesrat Stefan Hermann spricht über Vorschulklassen, Sonderpädagogik, Kinderbetreuung und darüber, warum Familie und Schule wieder stärker an einem Strang ziehen müssen. Auch seine eigenen Kinder haben seinen Blick auf Bildung entscheidend geprägt.

Wenn Stefan Hermann einen Wunsch für das steirische Bildungssystem frei hätte, müsste er nicht lange überlegen: Jedes Kind sollte die besten Chancen bekommen. „Wir brauchen ein Bildungssystem, das schwache Kinder unterstützt, aber auf der anderen Seite auch starke Schüler fordert.“ Auf eine seiner ersten Entscheidungen als Landesrat ist er besonders stolz: Die Steiermark setzte als erstes Bundesland ein Handyverbot an Schulen um und wurde damit zum Vorreiter.

 

Mehr Zeit für einen guten Schulstart

Mit dem kommenden Schuljahr kehren eigene Vorschulklassen zurück, rund 20 steirische Standorte starten damit. Der Bildungslandesrat sieht darin die Chance, Kindern jene Zeit zu geben, die sie für einen guten Einstieg brauchen. „Das heißt nicht, dass ein Kind irgendeine Einschränkung hat.“ Entscheidend sei nicht, was einem Kind fehlt, sondern was es braucht, um in der Schule anzukommen. Kleinere Gruppen und mehr Raum für Spiel, Spaß und Bewegung sollen dabei helfen.

 

Mehr Unterstützung vom Bund

Besonders deutlich wird der Landesrat beim sonderpädagogischen Förderbedarf. In Graz und Umgebung hätten rund 1.800 Kinder einen entsprechenden Bedarf, Stundenkontingente gebe es aber nur für etwa 1.200. Das Land habe zuletzt 20 zusätzliche Sonderpädagogen angestellt und an jene Schulstandorte geschickt, an denen der Bedarf besonders groß ist.

Deshalb fordert Stefan Hermann eine Anpassung der bundesweiten Ressourcen. Auf eine Lösung erst 2029 zu warten, dauert ihm zu lange: Für ein Kind, das heute in die erste Klasse kommt und Unterstützung benötigt, könnten bis dahin bereits entscheidende Volksschuljahre vergangen sein. „Wir werden den Druck weiter aufrechterhalten.“

Auch Inklusion möchte er stärker an der Realität ausrichten. Der Gedanke sei richtig, brauche aber ausreichend Personal, geeignete Räume und Lösungen, die auch außerhalb großer Städte funktionieren. Was in Wien mit kurzen Wegen und großen Schulstandorten möglich ist, lasse sich nicht automatisch auf Murau, Liezen oder kleine Gemeinden übertragen. Sein Grundsatz: „Man muss die Dinge immer bis zum Ende denken.“

 

Kinderbetreuung mit Augenmaß

Viel bewegt hat sich auch bei der Kinderbetreuung. 180 neue Kindergarten- und Kinderkrippengruppen mit rund 3.100 zusätzlichen Plätzen seien innerhalb von drei Jahren entstanden. Gleichzeitig soll der weitere Ausbau einfacher und kostengünstiger werden. Mit der Novelle des Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes werden starre bauliche Vorgaben gelockert, damit bestehende Gebäude leichter genutzt werden können. Qualität und Leistbarkeit müssten dabei zusammenpassen.

Beim Personal sieht er die Steiermark grundsätzlich gut aufgestellt. Maßnahmen wie höhere Gehälter und kleinere Gruppen hätten dazu beigetragen, dass es keinen generellen Mangel an Elementarpädagogen gebe, eine Herausforderung bleibe die hohe Fluktuation. Zusätzlich brauche es Sprachförderung und Sozialarbeit, damit Pädagogen wieder mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe haben.

 

„Ein Lehrer ist ein Lehrer“

Schule sei längst nicht mehr nur Lernort, sondern zunehmend Lebensraum. Viele Probleme aus den Familien würden heute dorthin getragen. „Ein Lehrer ist ein Lehrer“, sagt er. Lehrer sollen Wissen vermitteln und Kindern Freude am Lernen, Schreiben und Rechnen geben. Sie könnten aber nicht zugleich Sozialarbeiter, Psychologen und Ansprechpartner für jedes Problem sein.

Für ihn gehört deshalb auch die Verantwortung der Eltern klar angesprochen. Die Familie bleibe die wichtigste Bildungseinrichtung. Eltern müssten wieder stärker in die Pflicht genommen werden.

 

Der Blick aus den Gemeinden

Dass der Landesrat politische Entscheidungen stark auf ihre praktische Umsetzbarkeit prüft, hat auch mit seiner Vergangenheit zu tun. 21 Jahre war er in der Gemeindepolitik tätig, darunter viele Jahre als Vizebürgermeister. Diese Erfahrung helfe ihm heute, die finanziellen und organisatorischen Auswirkungen neuer Regelungen auf Gemeinden mitzudenken.

Kraft geben ihm Begegnungen vor Ort: Die Freude bei der Eröffnung einer Schule, eines Kindergartens oder einer Kinderkrippe sei eine besondere Belohnung. „Man muss auf Menschen zugehen.“

 

Wahlfreiheit für Familien

Am Ende seiner Amtszeit möchte Stefan Hermann nicht nur an Gesetzen oder investierten Millionen gemessen werden. Sein großes Ziel ist echte Wahlfreiheit für Familien. Wer einen Kinderbetreuungsplatz braucht und möchte, soll einen bekommen – möglichst wohnortnah und im Idealfall kostenlos. Gleichzeitig sollen auch Eltern unterstützt werden, die sich bewusst dafür entscheiden, in den ersten Lebensjahren selbst bei ihrem Kind zu bleiben.

Dass Bildung für ihn inzwischen weit mehr als ein Ressort ist, hat viel mit seinen eigenen Kindern zu tun. Seine Tochter und sein Sohn sind acht und fünf Jahre alt. Vor zehn Jahren hätte er wohl gelacht, wenn ihm jemand gesagt hätte, dass er einmal Bildungspolitiker werde. Erst durch die eigenen Kinder habe er Kindergarten und Volksschule hautnah erlebt. Heute sagt er: „Jetzt kann ich mir nichts anderes vorstellen.“

Und was können seine Kinder besser als der Landesrat? Die Antwort kommt ohne politische Umschweife: „Malen, zeichnen und schön schreiben.“

Landesrat Mag. Stefan Hermann

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