Ein besonderes Geschenk, eine gemeinsame Runde im Golfclub Gut Murstätten und eine Begegnung, die in Erinnerung bleibt: Markus Brier hat österreichische Golfgeschichte geschrieben. An diesem Tag beeindruckte er uns aber mindestens ebenso als Mensch.
Es gibt Geschenke, die man auspackt – und solche, die man erlebt. Für meinen Vater gehörte die gemeinsame Golfrunde mit Markus Brier eindeutig zur zweiten Kategorie. Wir Kinder wollten ihm damit eine ganz besondere Freude machen und schenkten ihm eine Runde mit einem der erfolgreichsten österreichischen Golfer. Dass daraus schließlich ein Tag werden würde, von dem er – und auch wir – wohl noch lange erzählen werden, lag am Ende aber nicht nur am Golf.
Austragungsort war der Golf Club Gut Murstätten. Die Vorfreude bei meinem Vater war natürlich groß – und vielleicht auch ein wenig die Aufregung. Schließlich steht man nicht jeden Tag mit einem Mann auf dem Platz, der österreichische Golfgeschichte geschrieben hat. Doch schon nach den ersten Minuten war davon nicht mehr viel zu spüren.
Markus Brier machte es einem leicht. Herzlich, unkompliziert, humorvoll und ohne jede Distanz ging es gemeinsam auf die Runde. Es wurde gelacht, gefachsimpelt und natürlich Golf gespielt. Dazwischen gab es immer wieder Tipps vom Profi. Nicht belehrend und nicht von oben herab, sondern so, wie man sie einem Golfpartner gibt. Mein Vater genoss sichtlich jede Minute – und für uns war es schön zu sehen, wie aus einem Geschenk tatsächlich ein ganz besonderes Erlebnis wurde.
Natürlich gab es auch jene Momente, in denen man einfach nur zuschaut. Wenn ein Profi wie Brier zum Schläger greift, sieht vieles erstaunlich selbstverständlich aus. Hinter dieser Leichtigkeit steckt allerdings eine Karriere, für die ihm nichts geschenkt wurde.
Brier wagte erst mit 27 Jahren den Schritt ins Profilager. Die ersten vier Jahre waren hart, das Geld knapp, gleichzeitig hatte er bereits Familie und sein Sohn war auf der Welt. Aufgeben wäre wohl die einfachere Variante gewesen. Heute sagt er, dass rückblickend gar nicht ein bestimmter Pokal das Wichtigste gewesen sei: „Dass ich es damals noch probiert habe, war eigentlich das Wichtigste.“
Es war die richtige Entscheidung. 2002 feierte Brier am steirischen Murhof seinen ersten Sieg auf der Challenge Tour. 2006 schrieb er schließlich österreichische Sportgeschichte und gewann als erster Österreicher ein Turnier der European Tour. Ein Jahr später folgte mit den Volvo China Open sein zweiter Titel auf Europas höchster Tour. Auch später blieb der Erfolg treu: Auf der Legends Tour gewann er 2021 die European Senior Masters und holte 2025 in Nordirland seinen zweiten Titel.
Doch Zahlen und Pokale erzählen nur einen Teil seiner Geschichte. Viel entscheidender war für Brier die Arbeit an sich selbst. 2001 begann er, mit einer Mentaltrainerin zu arbeiten – für ihn ein Schlüsselmoment. Über viele Jahre lernte er, negative Gedanken zu kontrollieren, mit Nervosität umzugehen und sich ausschließlich auf den nächsten Schlag zu konzentrieren. Nicht auf das, was vorher passiert ist. Nicht darauf, was passieren könnte. Nur auf diesen einen Moment.
„Immer im Moment zu sein und zu wissen, nur dieser eine Schlag zählt – das ist die hohe Kunst“, sagt Brier.
Dass auch ein Markus Brier Nervosität kennt, zeigt eine seiner besonderen Erinnerungen. Bei den British Open 2007 stand er gemeinsam mit Tiger Woods am ersten Abschlag. Die riesige Zuschauerkulisse, daneben einer der größten Golfer aller Zeiten – da war selbst der erfahrene Profi aufgeregt. Brier spielte am ersten Loch ein Birdie. Danach, erzählt er, sei er frei gewesen.
Für Hobbygolfer hat er übrigens einen angenehm bodenständigen Rat: Sie sollten nicht immer vom perfekten Schlag ausgehen. „Das machen nicht einmal wir Profis.“ Risiken richtig einzuschätzen gehöre dazu. Noch wichtiger sei aber, das eigene Spiel nicht zu ernst zu nehmen. Golf soll schließlich Freude machen. Und genau darum ging es auch an diesem Tag im Golfclub Gut Murstätten.
Dass wir uns ausgerechnet hier trafen, passte besonders gut. Denn Brier verbindet viel mit der Steiermark. Drei Jahre war er beim Bundesheer in Graz stationiert und kam nach der Grundausbildung in den Heeressport. Trainiert wurde unter anderem am Murhof und in Murstätten. Viele Freundschaften entstanden in dieser Zeit und bestehen bis heute. „Ich habe viele gute und tolle Erinnerungen an Graz“, erzählt er. In die Steiermark komme er nach wie vor sehr gerne.
Während unserer Runde wurde viel gesprochen, gelacht und natürlich auch über Golf philosophiert. Mein Vater bekam seine Tipps, beobachtete genau und genoss vor allem eines: diesen besonderen Tag. Und vielleicht war gerade das Schönste daran, dass irgendwann nicht mehr das Gefühl im Vordergrund stand, mit einer österreichischen Golflegende unterwegs zu sein. Da waren einfach Menschen gemeinsam auf einer Golfrunde und hatten eine richtig gute Zeit.
Auf die Frage, was ihm Golf für sein Leben beigebracht habe, nennt Brier ein Wort, das viel über ihn erzählt: Demut. Beim Golf müsse man ehrlich zu sich selbst sein. Der gefährlichste Gedanke sei zu glauben: Jetzt kann ich es, jetzt habe ich es. Man müsse immer dranbleiben. „Es wird dir nichts geschenkt.“
Nach 18 Löchern war für meinen Vater ein außergewöhnlicher Golftag zu Ende. Für mich blieb noch eine letzte Frage an Markus Brier: Was würde er sich wünschen, dass Menschen nach einer Begegnung mit ihm über ihn sagen?
Seine Antwort hätte zu unserem gemeinsamen Tag nicht besser passen können: Dass man nett miteinander geplaudert und eine gute Zeit gehabt habe.
Dann fügte er noch einen Satz hinzu, der wahrscheinlich mehr über den Menschen Markus Brier erzählt als jede Auflistung seiner Erfolge:
„Nur weil ich gut Golf spiele, bin ich kein anderer oder besserer Mensch.“
Mein Vater hat an diesem Tag natürlich mit einem der erfolgreichsten Golfer Österreichs gespielt. Aber wenn man ihn fragt, was ihm davon bleiben wird, werden es vermutlich nicht nur die Schläge oder die Tipps des Profis sein. Es wird die Erinnerung an einen wunderschönen Tag sein, an viele Gespräche, gemeinsames Lachen und an einen Markus Brier, der genauso war, wie man sich einen besonderen Golfpartner wünscht: herzlich, unkompliziert und einfach sympathisch.
Und für uns Kinder war es wohl das Schönste zu sehen, dass wir mit diesem Geschenk genau ins Schwarze getroffen hatten.
Manche Geschenke kann man eben nicht auspacken. Dafür bleiben sie umso länger in Erinnerung.
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