Wer Karl „Charly“ Forstner trifft, merkt schnell: Hier spricht jemand, der den Tierschutz lebt. Seit vielen Jahren leitet er die Arche Noah Graz – eines der bekanntesten Tierheime der Steiermark – und erzählt mit Wärme und Fachwissen von seiner Arbeit, den Herausforderungen und seinen Plänen für die Zukunft.
Eigentlich ist Charly gelernter Kfz-Mechaniker. „Autos haben mich nie interessiert, Tiere dafür umso mehr“, sagt er mit einem Lächeln. Schon früh führte ihn seine Leidenschaft für Pferde und Hunde in den Tierschutz. Geblieben ist bis heute die Motivation, die ihn von Anfang an begleitet hat: „Jedes Tier, das bei uns gesund wird und in ein passendes Zuhause zieht, gibt mir neue Kraft.“
Besonders bewegend war für ihn der Moment, als er sicher war, dass das Lebenswerk von Gründer Herbert Oster in dessen Sinn weitergeführt werden kann. „Seine größte Sorge war immer die finanzielle Situation der Arche Noah. Dass wir heute – trotz aller Schwierigkeiten – weitermachen können, wäre Oster eine Freude gewesen.“ Schwer war hingegen die Zeit, als eine Hausdurchsuchung stattfand, die sich später als rechtswidrig herausstellte. „Die Vorwürfe waren unbegründet, aber der Rufschaden war groß. Wir haben ihn mit konsequenter, guter Arbeit wieder gutgemacht.“
Drei Begriffe beschreiben für Charly Forstner die Arche Noah am besten: Tierliebe, Zuflucht, Zukunft. Jährlich werden hier rund 1.000 Tiere betreut, davon etwa 250 bis 300 Hunde und rund 500 Katzen vermittelt. Hinter jeder Zahl steckt eine Geschichte – von Beratungsgesprächen über Vorkontrollen bis hin zur Nachbetreuung. „Das braucht Zeit, Erfahrung und gute Leute. Personal zu finden und zu halten, ist eine unserer größten Herausforderungen. Ohne engagierte Mitarbeiter wäre eine artgerechte, qualitativ hochwertige Betreuung nicht möglich.“
Manche Schicksale bleiben besonders in Erinnerung – wie das von Katze Frosty. Sie war vergiftet worden, lag hilflos am Boden festgefroren und konnte nur dank des großen Einsatzes der Tierärzte und Pfleger gerettet werden. Heute lebt sie gesund und glücklich in einem neuen Zuhause.
Oft begegnet Charly einem Missverständnis: „Viele glauben, wir wollen keine Tiere hergeben. Das stimmt nicht. Unser Ziel ist es, das passende Zuhause zu finden – dort, wo das Tier wirklich als Familienmitglied liebevoll angenommen wird. Das kann man nicht mit einem schnellen Kauf vergleichen.“
Eine große Stütze sind die Ehrenamtlichen: Rund 400 Hundespaziergänger, 20 Tierrettungsfahrer, Katzenstreichler, Pflegestellen für Babykatzen und Helfer in der Verwaltung. „Ohne diese Unterstützung könnten wir vieles nicht leisten. Ehrenamt ist das Herz unserer Arbeit.“
Ein wichtiger Meilenstein der letzten Jahre war die Modernisierung des Katzentrakts. Die alten Käfige waren nicht mehr hygienisch und begünstigten die Ausbreitung von Krankheiten. Heute sind die Räume hell, gut zu reinigen und bieten den Katzen mehr Rückzugsmöglichkeiten. „Die Tiere sind entspannter, es gibt weniger Krankheiten und auch die Besucher sind begeistert.“
Auch für die Zukunft gibt es klare Pläne. Der nächste Schritt ist der Ausbau des Hundetrakts: Jeder Hund soll sein eigenes kleines Haus bekommen, mit überdachtem Auslauf, einem Dogport und einem kleinen Paddock. Verträgliche Hunde sollen in WGs zusammenleben können, zusätzliche Gemeinschaftsausläufe sind ebenfalls geplant. „Das senkt den Stress und verbessert die Vermittlungschancen.“ Damit diese Projekte umgesetzt werden können, ist die Zusammenarbeit mit Stadt, Land und anderen Institutionen unverzichtbar. Charly Forstner wünscht sich zudem eine verlässliche, langfristige Finanzierung für den Tierschutz, um auch in Zukunft planbar arbeiten zu können. Beim Auslandstierschutz setzt er auf einen klaren Ansatz: „Tierschutz kennt keine Grenzen, aber wir setzen auf Kastrationen vor Ort. Das ist nachhaltiger, als immer mehr Tiere zu importieren.“
Wer ein Tier adoptieren möchte, sollte sich vorher gut informieren. „Man übernimmt Verantwortung – oft für zehn oder fünfzehn Jahre. Ein Tierheimtier ist oft besonders dankbar und loyal, aber es braucht Zeit und Zuwendung.“ Die Arche Noah begleitet die neuen Besitzer, manchmal auch mit Vorkontrollen, und freut sich über Rückmeldungen nach der Vermittlung. „Wenn wir Fotos oder Videos bekommen, freut sich das ganze Team.“
Ein Tier, das dem Team besonders am Herzen liegt, ist Schäferhund Heck, der bereits seit acht Jahren im Tierheim lebt. „Er ist ein toller Hund, aber sehr wachsam. Wir hoffen sehr, dass er jetzt endlich sein Zuhause findet.“
Unterstützen kann man die Arche Noah auf viele Arten: durch Spenden, Tierpatenschaften oder ehrenamtliche Mitarbeit. „Wir sind die Anwälte der Tiere“, sagt Charly. „Der Staat sorgt für Mindeststandards, aber gemeinsam mit den Menschen da draußen können wir viel mehr erreichen.“ Die Arche Noah Graz ist damit weit mehr als ein Tierheim. Sie ist Schutzraum, Sprungbrett, Ort der Fürsorge und des Neuanfangs. Und Charly Forstner sorgt Tag für Tag dafür, dass die drei Worte, die ihn leiten, keine leeren Versprechen bleiben: Tierliebe. Zuflucht. Zukunft.
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