Statt Motorradpolizist wurde er Gefängnisdirektor

44 Jahre lang war Direktor Josef Mock im Justizdienst tätig. Seit acht Jahren ist er Leiter der Justizanstalt Graz-Karlau, der drittgrößten Strafvollzugseinrichtung Österreichs. Anfang Juli tritt der Jurist seine wohlverdiente Pension an. Erlebt hat er in seiner Dienstzeit vieles, auch berührendes und sogar lustiges.

Ursprünglich hat Josef Mock Kunstschmied gelernt. Er war ein guter Lehrling: „Meine Kollegen, die hier in der JA Karlau Häftlinge unterrichten, haben mein Stammdatenblatt meiner ehemaligen Berufsschule in Mureck ausgehoben. Sie haben herausgefunden, dass ich in drei Jahren Lehrzeit nur zwei Zweier, alles andere waren Einser, im Zeugnis hatte.“ Nach der Lehre arbeitete Mock ein Jahr lang als Schlosser in der Niklasdorfer Papierfabrik, dann folge der Wehrdienst. Auf Anraten seines Vaters bewarb er sich bei der Justiz.

„Eigentlich wollte ich Motorradpolizist werden, weil mir die Lederjacken so gefallen haben. Wiedergefunden habe ich mich im Team der Justizanstalt Leoben.“ An seine Aufnahmeprüfung erinnert sich der Anstaltsleiter heute noch. „Da wurde ich unter anderem gefragt, welcher Fluss durch Eisenstadt fließt. Meine Antwort ,keiner‘ war richtig“, lacht er.

Nach der Grundausbildung arbeitete er als Beamter im Leobener Gefängnis, nach sechs Jahren machte Mock die Fachausbildung. Es folgten rund 20 Jahre Dienst in der obersteirischen Justizanstalt. „Dann wollte ich die Offiziersausbildung absolvieren. Weil nicht klar war, wann die überhaupt stattfindet, begann ich, Jus zu studieren. Nach zwei Semestern war es dann auch mit der Offiziers- schulung soweit, ich habe dann Studium und Ausbildung gleichzeitig gemacht.“

2001 wurde Mock Offizier, das Jusstudium schloss er zwei Jahre später ab. 2012 hängte er noch ein Doktoratsstudium in Jus an der Johannes Kepler Universität in Linz an. Mittlerweile war er nämlich Leiter der Justizanstalt im oberösterreichischen Wels geworden, eine Position, die er bis 2014 innehatte. Seit diesem Zeitpunkt ist er Direktor der Grazer Justizanstalt Karlau.

„Zu Beginn meiner Amtszeit in Graz haben wir mit rund 235 Mitarbeitern zu Spitzenzeiten bis zu 600 Häftlinge betreut“, erinnert sich Mock: Heute ist die Situation besser. „Wir sind mit 280 Mitarbeitern für derzeit 450 Gefangene verantwortlich.“ Die geringere Zahl sei allerdings auf die laufenden Sanierungsarbeiten im Gefängnis zurückzuführen, nach deren Abschluss wird die Häftlingszahl wieder auf rund 550 steigen.

Die Sanierung sei eine extrem große Herausforderung, schildert der Anstaltsleiter, vor allem in Bezug auf die Sicherheit. „Wir müssen spezielles Personal einsetzen, alle Ein- und Ausgänge lückenlos kontrollieren. Es gehen wegen der Bauarbeiten ja eine Menge anstaltsfremde Personen ein und aus. Deren Sicherheit müssen wir gewährleisten. Das gelingt meinen Kollegen sehr gut.“

Der Umbau der JA Karlau soll 2025 abgeschlossen sein. Das Zellenhaus wird dann über vier Etagen verfügen, in denen verschiedene Vollzugsarten stattfinden können. „Das geht dann vom gelockerten Vollzug über den Erstvollzug bis hin zum Maßnahmenvollzug. Alles wird heller, geräumiger. Und die dringend notwendige Erneuerung der Elektro- und Sanitärinstallationen stellt sicher, dass die Lebensumstände für die Insassen, die meist viele Jahre bei uns verbringen müssen, besser werden.“ Zusätzliche Räumlichkeiten sollen auch die Arbeitsbedingungen der Justizbeamten verbessern. Die Sanierung der JA Karlau ist mit Kosten von 30 Millionen Euro projektiert.

Dem scheidenden Anstaltsleiter war es schon als junger Beamter wichtig, einen guten Kontakt zu den Insassen herzustellen und alle Möglichkeiten zur Resozialisierung zu nützen. „Wir setzen alles daran, um Straftätern nach ihrer Haft den Wiedereinstieg in die Familie, in das Arbeitsleben und die Gesellschaft zu ermöglichen. Ich denke, dass uns das in sehr vielen Fällen auch recht gut gelungen ist.“ Der Strafvollzug nutzt intensiv seine Möglichkeiten, Weiterbildung, Therapien und Berufsausbildungen anzubieten und die Gefangenen zu resozialisieren. „Wenn man diese Ziele beharrlich verfolgt, führt das zum Erfolg.“

Leider gebe es eine gewisse Zahl von Insassen, die nicht resozialisierbar seien, räumt Mock ein. „Die leben in einem Milieu, in dem sie ihren Lebensunterhalt aus kriminellen Tätigkeiten beziehen und die gar kein Interesse an Wiedereingliederung haben. Sie sehen keine Chance in der Gesellschaft.“ Das Gefängnis werde für diese Menschen manchmal zur zweiten Heimat.

„Ich erinnere mich da an einen Fall aus Leoben. Dort gab es einen Insassen, der immer wieder kurze Gefängnisstrafen absitzen musste. Der hat einmal ans Fenster geklopft, hinter dem ich in meinem Nachtdienst tätig war, und zu mir gesagt: Herr Mock, ich hab wieder zehn Monate ausgefasst, krieg ich meinen Job in der Gefängnisküche wieder?‘. Er war ein guter Koch, also wurde er dort wieder eingesetzt.“ Das sei jahrelang so gegangen, erinnert sich der Anstaltsleiter. „Aufgehört hat es erst, als der Häftling eine Frau kennlernte und sie geheiratet hat. Seitdem führt er ein normales Leben.“

Als junger Beamter hat Mock noch erlebt, dass es durchaus einen spitzbübischen Umgang der Insassen mit dem Wachpersonal gab. In der Justizanstalt Leoben seien damals Schweinehälften für die Gefangenenverpflegung zerlegt worden. „Im Nachtdienst habe ich durch das Guckloch in eine Zelle gespäht und mir schaut ein blutiges Auge entgegen! Das war von einem Schwein. Ich habe mich irrsinnig erschreckt, sehr zum Vergnügen der Häftlinge.“ Humor hat nach Ansicht des Gefängnisdirektors auch in der Haft Platz, er komme auch heute hin und wieder vor.

Aus Versehen wurde Mock auch eingesperrt. Ein Kollege versperrte die Zellentür, weil er nicht bemerkte, dass sich der Beamte dahinter befand. „Da saß ich dann mit zwei jugendlichen Straftätern und betätigte den Klingelknopf. Erst nach einer Viertelstunde kam dann jemand und holte mich raus. Wir haben uns in der Zelle freundlich unterhalten, aber es war ein mulmiges Gefühl, weil man von einem Moment auf den anderen nicht mehr selbstbestimmt ist.“

Der Gefängnisdirektor sieht sich als Teamplayer. „Entscheidungen treffen muss zum Schluss ich. Aber bis man dahin gelangt, braucht es eine solide Vorbereitung im Team.“ Er habe in der Karlau ein „Biotop“ - ein Leitungsteam und Mitarbeiter“ - gefunden, in dem das Verständnis untereinander hervorragend geklappt habe. Präsent war Mock auch bei seinen Gefangenen. Jeder Insasse habe mit ihm sprechen können, auch jeden normalen Brief an ihn habe er beantwortet.

Für die Pension hat der Gefängnisdirektor viel vor. „Als erstes werde ich mein Handy abschalten und mit meiner Frau Johanna auf den Schwammerlturm in Leoben gehen. Dort werden wir ein Bier trinken und miteinander die nächsten 30 Jahre planen.“ Er wolle viel reisen und lesen. Aufgearbeitet sollen auch die vergangenen Reisen werden – Mock will seine handschriftlichen Aufzeichnungen am Computer in Form bringen. Daneben hat er ehrgeizige Pläne: „Ganz fest habe ich mir vorgenommen, alleine zu Fuß von mir zu Hause bis nach Piran ans Meer zu gehen.“

Wenn er einen Wunsch frei hätte, möchte Mock, „dass das Glück, das meine Frau und mich immer begleitet hat, nicht aufhört.“ Es seien ungeheuer schöne Zeiten gewesen, „die sollen noch ein bisschen andauern.“

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Wir wollen ein Leben möglich machen

Seit drei Monaten ist Prof Dr. Isabel Böge die neue Primaria der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Medizinische Psychologie am LKH Graz II am Standort Süd. Die Kinder- und Jugendpsychiaterin und Psychotherapeutin war 17 Jahre in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im deutschen Ravensburg am Bodensee tätig, zuletzt als Chefärztin der Abteilung.

Die gebürtige Hamburgerin hatte eigentlich gar keine neue Stelle in Graz gesucht. Isabel Böge wurde vom Rektor der Meduni Graz, Hellmut Samonigg angeschrieben, ob sie sich für die gerade ausgeschriebene Stelle nicht bewerben möchte. „Ich hatte schon öfter solche Anfragen bekommen und die Angebote nie wahrgenommen. Aber die Position in Graz hat mich interessiert – mit ihrer Mischung aus Patientenversorgung am LKH Süd sowie Ambulanzen, Lehre und Forschung an der MedUni Graz. Diese Kombination ist sehr selten. Darum habe ich mich dann beworben.“

Gemeinsam mit ihrem Mann fuhr sie nach Graz, um sich auch die Stadt einmal anzusehen, in der sie möglicherweise arbeiten und leben sollte. „Er wollte die Stadt eigentlich blöd finden. Aber am ersten Abend musste er schon zugeben, dass er Graz schön findet.“ Derzeit führen die Böges eine Fernbeziehung, Isabels Mann arbeitet noch in Deutschland. „In einem Jahr wird er pensioniert, dann kommt er zu mir in die Steiermark“, freut sich die Primaria.

Zum Hearing wurden die vier besten Kandidaten eingeladen, darunter natürlich Isabel Böge. Dort konnte sie sich gegen ihre Mitbewerber durchsetzen. Ihre Abteilung verfügt über 33 Betten am Standort Graz, dazu kommen eine Tagesklinik in Leoben und eine Ambulanz in Hartberg, wo im Oktober ebenfalls eine Tagesklinik eröffnet werden soll. Und in Graz kommen im nächsten Jahr 20 weitere Betten für die jungen Patienten hinzu. Aktuell sind in der Pflege 42 Menschen, 13 Sozialpädagogen, 8 Psychologen und 21 Ärzte beschäftigt.

Momentan ist die Station voll ausgelastet. 35 Betten sind mit Kindern und Jugendlichen belegt. Beeindruckend, so Böge, sei die Zahl der Aufnahmen. „Im vergangenen Jahr hatte die Station am LKH Süd 1.045 Akutaufnahmen. Das bedeutet bei 33 Betten einen unglaublichen Durchlauf. Das heißt, dass wir sehr schnell arbeiten müssen, um die Betten wieder frei zu bekommen.“ Fünf Tage bleibt ein Notaufnahme-Patient maximal, oft auch nur zwei bis drei Tage. Daneben gibt es selbstverständlich auch Patienten, die für ihre Therapie deutlich länger bleiben. „Die 20 neuen Zugangsbetten ab 2023 sind daher dringend notwendig, um Therapieplätze anbieten zu können, in die Akutfälle dann zeitnah wechseln können.“

Eine enge Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe ist eine Säule der Tätigkeit der Kinder- und Jugendpsychiatrie, so Böge. Immer werden die Eltern miteinbezogen. „Ich habe meinen Assistenzärzten in Deutschland immer gesagt, wir haben in der Kinder- und Jugendpsychiatrie nie nur einen, sondern letztendlich drei Menschen im Gegenüber.“ Bei Patienten, bei denen der Eindruck einer Gefährdung im Familiensystem entsteht, wird Kinderschutz ernst genommen und die Bezirkshauptmannschaften oder in Graz das Jugendamt hinzugezogen. „Die Sozialarbeit ist deswegen ganz wichtig für unsere Arbeit“, unterstreicht die Primaria. Es wird aber immer alles mit den Eltern abgesprochen.

Psychische Krankheiten haben laut Böge teilweise einen genetischen Hintergrund: „Das Risiko, eine Psychose zu entwickeln kann z.B. erblich bedingt sein, diese werden aber auch durch Drogenmissbrauch ausgelöst. Bindungsstörungen hingegen sind eher sozial bedingt. Wir haben auch viel mit den psychischen Folgen von Mobbing zu tun, das wird dann durch die Umwelt herbeigeführt.“

Gerade Mobbingfälle seien sehr schwierig, weiß die Psychiaterin, denn man kann keine ganze Klasse ändern. „Da geht es dann vor allem darum, die Resilienz des Kindes zu stärken, dem Kind zu zeigen, wie kann es damit sinnvoll umgehen. In aller Regel ist Mobbing eine Gruppendynamik. Da ist die Situation nicht aufgelöst, nur weil man den Haupttäter entfernt.“

Ein Anliegen ist es Böge, den Übergang zur Erwachsenenpsychiatrie nicht so abrupt zu gestalten. „Mit 18 Jahren sind Patienten formal Erwachsen. Aber 18 ist nicht immer 18, in Hinsicht auf die psychosoziale Entwicklung. Gemeinsam mit der Erwachsenenpsychiatrie am LKH Süd sollen Übergangswege in Form einer Adoleszenzstation geschaffen werden, welche die spezifischen Bedürfnisse dieser Altersgruppe aufgreift und es ermöglicht, Patienten von 18 bis 21 altersangemessen zu behandeln.

Die Corona-Pandemie hat nach Ansicht Böge dazu geführt, dass psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zugenommen haben. „Am Anfang haben nicht wenige es genossen, nicht in die Schule zu müssen und daheim bleiben zu können. Aber seit einiger Zeit sehen wir einen deutlichen Anstieg von Depressionen, Angststörungen oder Essstörungen bei den jungen Menschen. Also alle die Störungen, die eher mit dem eigenen Selbst zu tun haben. Das Fehlen der Regulative durch die Gruppe der Gleichaltrigen, das abgeschottet sein in den eigenen vier Wänden, hat dazu geführt.“ Jedes dritte Kind habe in irgendeiner Form psychische Probleme, hat die deutsche COPSY-Studie ergeben.

Trotz des hohen Bedarfes und der absoluten Auslastung ist man am Standort Süd bemüht, keinen jungen Patienten abzuweisen, der Hilfe benötigt. „Schlimmstenfalls legen wir sogar Matratzen in die Zimmer. Oder wir entlassen einen Patienten, der sonst vielleicht einen Tag länger geblieben wäre. Wir finden immer eine Lösung.“

Die Arbeit als Psychiaterin, räumt die Primaria ein, kann seelisch belastend sein. „Es gibt Geschichten, die man mit nachhause nimmt. Da hilft es dann, an die Zukunft zu denken, in der es dem Patienten hoffentlich besser geht – und dass man dazu beitragen wird. Aber es gibt immer Fälle, die einen auch außerhalb der Klinik beschäftigen.“ Böge schätzt die Nähe zu den Patienten. „Ich sehe nicht jeden, aber die Therapiepatienten kenne ich.“

Ein Thema in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist das so genannte Ritzen, also die Selbstverletzung mit scharfen Gegenständen. Aktuell gebe es einen leichten Rückgang. Geritzt werde vor allem von jungen Mädchen. „Dabei gibt es zwei Arten von Patientinnen – die einen, die eher ein Probierverhalten zeigen. Sie schneiden nicht so tief, wünschen sich eher, so Aufmerksamkeit zu erhalten. Die anderen ritzen sehr tief, schneiden regelrecht, sie spüren sich oft selbst gar nicht und schneiden sich, weil sie irgendetwas empfinden wollen, und wenn es Schmerz ist.“

Mit letzteren Patientinnen werden Alternativen zum Ritzen gesucht, „Skills“ geübt. Das kann z.B. darin bestehen, andere Reize zu setzen, wie mit Gummibändern am Handgelenk zu schnippen, auf Chilischoten beißen oder ein Gel auf die Haut aufzutragen, das eine starke Wärmeempfindung auslöst. „Wir versuchen, das Ritzen durch eine weniger schädliche Methode zu ersetzen.“ Gesteigerte Aufmerksamkeit dürfe man den Patientinnen nicht schenken, das sei kontraproduktiv.

In manchen Fällen gibt es für psychisch kranke junge Menschen keine Rückkehr in die Familie. „Wenn sie zum Beispiel Opfer von Missbrauch durch Familienmitglieder geworden sind, und der Täter auch noch in der Familie lebt, dann wird das Jugendamt hinzugezogen und gemeinsam mit den Eltern nach Lösungen gesucht. Entschieden wird das vom Jugendamt.“

Es gebe durchaus auch Fälle, in denen es Kindern von außen gesehen in ihrer Familie nicht gut gehe, diese aber trotzdem zurückwollen, schildert die Psychiaterin. Diesem müsse man dann – mit entsprechenden unterstützenden Maßnahmen – auch stattgeben. „Wir Menschen werden von den ersten Bindungen geprägt. Diese werden in den ersten zwei Lebensjahren festgelegt, dann bleiben sie ein Leben lang. Deshalb sollte man die leiblichen Eltern nie entwerten, auch wenn die Kinder bei Pflegefamilien untergebracht sind. Die Eltern bleiben wichtige Bezugspersonen.“

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie werden auch suizidgefährdete Jugendliche behandelt. „Bei Notaufnahmen ist es entscheidend festzustellen, ob jemand wirklich suizidgefährdet ist. Oft ist es Liebeskummer, das kann zwei Tage später wieder vorbei sein. Bei Erwachsenen ist das ganz anders, da sind es eher Bilanzsuizide, eine Bilanz die eher langfristiger gezogen wurde.“

Ein weiteres Thema ist die Aufmerksamkeitsstörung ADHS. „ADHS wird viel zu schnell mit Medikamenten behandelt. Ich setze das normalerweise erst einmal ab, um zu sehen, wie der junge Patient sich ohne Medikament verhält. Aus meiner Sicht sollte der Gabe von Medikation immer eine gründliche psychologische Diagnostik zugrunde liegen, oft ist aber erster Ansprechpartner der Kinder- oder praktische Arzt.“

Der laufende Anbau an ihrer Station wird einiges verändern, sagt die Primaria. „Wir werden eigene Mutter-Kind-Plätze bekommen, eine eigene Essstörungs-Einheit, eine für komplexe Störungen wie Borderline und ein viertes Haus schließlich für Depressionen und Angststörungen. Damit werden spezialisiertere Therapieeinheiten zur Verfügung stehen“

Böge will das Home-Treatment, also die Behandlung im familiären Umfeld, forcieren. In dieser Therapieform hat sie sich in Deutschland einen Namen gemacht. „Hier in der Klinik sind wir eine Glasglocke, es gibt keinen Ärger mit Eltern oder dem Umfeld. Man kann diese nicht so gut mit einbeziehen, die Patienten sind entlastet. Sobald sie aber wieder zuhause sind, entsteht neuer Stress.“ Beim Home Treatment findet die Behandlung für vier bis sechs Wochen in der Familie statt. Verschiedene Therapeuten wechseln sich bei den Besuchen ab. „Studien zeigen, dass dies eine gute Alternative zur stationären Behandlung ist, die manchmal auch nachhaltiger ist.“

Wichtig ist für die Primaria, dass für ihre Patienten die Psychiatrie kein Tabubereich ist. „Wir dürfen die Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht stigmatisieren, es geht um kranke junge Menschen. Wir können ein Stück weit helfen, ihnen wieder ein Leben im Draußen zu geben.“

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Den klassischen Schmuggler gibt es schon lange nicht mehr

Hofrat Hans Georg Kramer

Der wichtigste Grenzübergang der Steiermark ist jener in Spielfeld. Dort ist natürlich auch der Schwerpunkt des Zolls. Spielfeld gehört zur Dienstelle Süd des Zollamtes Österreich. Diese verfügt über 270 Mitarbeiter, die in der Steiermark und in Kärnten die Einhaltung der Zollbestimmungen kontrollieren.

„Spielfeld und überhaupt die Dienststelle Süd sind Hot Spots“, schildert deren Leiter Hofrat Hans Georg Kramer. „Das liegt an den Hauptverkehrsrouten, die bei uns zusammenlaufen. Und damit ist bei weitem nicht nur die Straße gemeint.“ Neben dem hochrangigen Straßennetz, das umgangssprachlich Balkanroute genannt werde, laufe auch der hochrangige Schienenverkehr durch Südösterreich. Dazu komme der Flughafen Graz als wichtige Drehscheibe für Menschen und Waren. Der Zoll ist nur für letztere zuständig, Personenkontrollen obliegen der Grenzpolizei, die zum Verantwortungsbereich des Innenministeriums gehört. Der Zoll hingegen untersteht dem Bundesministerium für Finanzen.

„Den klassischen Schmuggler, der mit der ganzen Familie nach Slowenien gefahren ist, das volle Programm durchgezogen hat – Essen gehen, Friseur, Lebensmitteleinkauf - und dann mit ein paar Stangen Zigaretten unterm Autositz wieder nach Hause gefahren ist, den gibt es schon lange nicht mehr“, erzählt Kramer. „Der ist 50 Kilometer weit gefahren und hat die ganze Strecke vor Angst gezittert. Wenn er es geschafft hat, nicht kontrolliert zu werden, war er stolz. Aber das ist alles vorbei.“

Grund dafür sei unter anderem, dass es sich bei den Verbindungen nach Slowenien und Italien um sogenannte innergemeinschaftliche Übergänge, also um Grenzübergänge zwischen EU-Mitgliedsstaaten handle. Innerhalb der EU dürfen die meisten Waren völlig zollfrei ein- und ausgeführt werden. Eine der wenigen Ausnahmen sind verbrauchsteuerpflichtige Waren, wie Zigaretten und Mineralöl, bei denen es noch Einschränkungen im Reiseverkehr gibt.

Heute gehe es um den wohlorganisierten, bandenmäßigen Schmuggel. „Die arbeiten hochprofessionell mit Begleitfahrzeugen, die sich die Route ganz genau anschauen, ob und wie dort kontrolliert wird. Die kommen auch nicht unbedingt über Spielfeld, wo es den großen Grenzübergang gibt. Die nehmen oft auch Wald- und Wiesenwege.“

Zwar werde an den kleinen Grenzübergängen auch stichprobenartig kontrolliert – nur in Spielfeld und bei zwei Autobahnübergängen in Kärnten sind Zöllner im Dauereinsatz – „aber sicher fühlen kann sich kein Schmuggler“, so Kramer. Dazu tragen vor allem die Zollkontrollen im Hinterland weit nach der unmittelbaren Grenze bei.

Ein großes Thema ist der Mineralölschmuggel. „Da geht es um falsch deklarierte Produkte ebenso wie um zusammengemischte Treibstoffe“, schildert Kramer. Dabei wird gerne Diesel mit anderen Mineralölfraktionen gemischt. „Zum Beispiel wird das sogenannte Schalungsöl zugesetzt, ein letztlich minderwertigeres Produkt aus dem Raffinerieprozess, das aber in Dieselmotoren funktioniert. Nur dass es für den Motor ganz und gar nicht gut ist.“

Zu Erfolgen gegen Schmuggler führen auch die guten Kontakte zur Polizei in Österreich und in den Nachbarländern. Einen konkreten Fall schildert der Teamleiter Mobile Kontrolle Reiseverkehr, Johannes Lambauer: „Wir haben am Silvestertag des vergangenen Jahres einen Anruf aus Sicheldorf bei Radkersburg erhalten und wurden über einen möglichen Schmuggel informiert, genauere Informationen hat es vorerst aber nicht gegeben. Bei der Kontrolle hat sich herausgestellt, dass die Täter Snus,  das sind mit Tabak gefüllte Beutel, die man in den Mund unter die Lippe steckt und die dann Nikotin an die Schleimhäute abgeben, aus Slowenien nach Österreich verbracht haben. Wir haben dann Kontakt zu den slowenischen Behörden aufgenommen und aufgedeckt, dass ein paar Österreicher einen Handel mit Snus im großen Stil aufgezogen hatten.“ Rund 5.000 Dosen Snus hatten diese bei der Kontrolle im Gepäck gehabt, als sie an der Grenze aufgegriffen wurden. Ein halbes Dutzend solcher Fahrten habe man den Tätern nachweisen können. „Das allein hat einem Volumen von einigen zigtausend Euro entsprochen“, erzählt der Hausherr Johannes Lambauer.                                      

Eine Aufgabe der Zöllner ist auch der Kampf gegen Produktpiraterie. „Es wird alles gefälscht, das etwas wert ist und das man nachbauen kann“, erzählt Kramer. „Das geht von Markensonnenbrillen über Diktiergeräte bis hin zur Nikon-Kamera. Aber auch eher alltägliche Gegenstände werden nachgebaut – Fensterbe- schläge oder Dübel.“ Mit der Suche nach den gefälschten Produkten schütze man die Wirtschaft.

Den klassischen Zöllner, der an der Grenze stand und nach Reisepass oder zu verzollenden Waren fragte, gebe es schon lange nicht mehr, versichert der Chef der Dienststelle Süd. „Zöllner ist heute ein ungeheuer abwechslungsreicher Beruf, der eine Menge Spezialwissen erfordert. Die Zoll-Mitarbeiter machen im Vorfeld ausgeklügelte Risikoanalysen, die Kolleginnen und Kollegen brauchen eine große Auffassungsgabe, sie müssen rasch erkennen, ob etwas nicht stimmt.“

Das Interesse an dem Beruf ist groß: „Wir in der Dienststelle Süd haben die meisten Bewerbungen von allen Zoll-Dienststellen“, freut sich der Kramer. „Mindestens die Hälfte der Bewerber sind Frauen – und auch der Frauenanteil bei den vorhandenen Mitarbeitern ist hoch, mit 92 Zöllnerinnen machen sie gut ein Drittel der Belegschaft aus.“

Zum Team der Zöllner in Spielfeld gehören auch Suchhunde. Diese sind auf Suchtgift, Zigaretten und Bargeld trainiert. Außerdem können einige Vierbeiner Verstöße gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen aufdecken, indem sie Tiere oder Pflanzen erschnüffeln, deren Einfuhr verboten ist.

Wir haben den Einsatz eines Hundes live miterlebt, der auf Tabak und Drogen spezialisiert ist. An den Vorderbeinen trägt der vierbeinige Helfer kleine Schühchen. Die sollen einerseits verhindern, dass er sich verletzt, andererseits Beschädigungen an den untersuchten Autos vermeiden. Der Hund schnuppert an und in einem Kleinbus. Als sein Hundeführer Thomas bemerkt, dass er nichts findet, deponiert er unbemerkt eine Probe im Vorderteil des Fahrzeugs. „Das Tier braucht ein Erfolgserlebnis, und wenn es nichts zu finden gibt, sorgen eben wir dafür“, erklärt er. Der Suchhund erstarrt binnen einer Sekunde zur Salzsäule, als er die Probe wittert. „Er ist ein passiver Suchhund und zeigt durch absolute Bewegungslosigkeit an, dass er etwas gefunden hat. Wie haben aber auch aktive Hunde, die bellen, wenn sie etwas wittern.“

In den Drogen riechen die Hunde übrigens einige Substanzen, die in fast allen Suchtgiften enthalten sind. Das ist auch notwendig, da es derzeit rund 27.000 verbotene chemische Verbindungen gibt, die als Droge eingestuft werden. Die überwiegende Anzahl von ihnen kommt aus dem Labor.

Nicht nur für die Spürhunde, sondern auch für die Menschen kann die Durchsuchung von Containern potenziell gefährlich sein. Kramer erklärt, warum: „Viele Container sind mit Gift begast. Das soll verhindern, dass Schädlinge nach Europa eingeführt werden. Um einen solchen Container zu kontrollieren, müssen sie erst zum Entgasen.“ Das geschieht, indem man den Stahlbehälter zwangsbelüftet und so das giftige Gas heraustreibt. „Wir wissen aber, wenn diese Gefahr droht. Die Container sind klar gekennzeichnet und haben zusätzlich ein Siegel.“

Eine spezielle Untersuchungsstelle ist die Verkehrskontrollstelle Gersdorf. Dort können verdächtige Fahrzeuge von der Pyhrnautobahn abgeleitet werden. An dem Kontrollpunkt steht auch ein stationäres Röntgengerät zur Verfügung. „Mit seiner Hilfe können wir von außen gefährliche Gegenstände bzw. eventuelle Schmuggelware entdecken“, schildert Lambauer. „Auch Zigaretten und manche Drogen sind erkennbar.“ Untersucht werden nicht nur Lkw, sondern auch ganze Reisebusse. „In so einem Fall werden alle Insassen und das gesamte Gepäck kontrolliert. Das kann dann schon mehrere Stunden dauern.“

Angesprochen werden Reisende übrigens grundsätzlich mit „Österreichischer Zoll, guten Tag, haben Sie etwas zu verzollen?“ Kramer erläutert: „Wir sagen nicht Grüß Gott. Dadurch könnten sich Angehörige nicht-christlicher Religionen beleidigt fühlen.“

Wir haben auch mit einigen Zöllnern gesprochen, die in der Steiermark Dienst tun. Einer davon ist Alexander K. „Der Güterverkehr hier in Spielfeld läuft über die Bundesstraße, dort ist der Grenzübergang für Lkw. Manchmal decken wir sogar einen Schmuggel auf, von dem der Lkw-Lenker gar nichts weiß. So etwas ist erst vor ein paar Tagen wieder passiert. Da öffneten wir ein Fahrzeug, das bereits eine Zollplombe hatte. Im Inneren haben wir zusammengedrückte Kartons und Fäkalien entdeckt. Offenbar hatten illegale Migranten von oben die Plane aufgeschnitten und sich so in den Laderaum geschlichen. Der Fahrer war bei der Kontrolle ziemlich überrascht – er wusste anscheinend wirklich nichts davon. Die blinden Passagiere waren jedenfalls bereits weg, als wir nachschauten.“

Der Zollbeamte Alexander K. hat sogar schon eine Flüchtlingsfamilie gerettet. „Wir haben einen Anhänger kontrolliert und sechs Menschen gefunden, teilweise schon bewusstlos. Auch da hatte der Fahrer gar nicht mitbekommen, dass sich jemand in seinen Lkw geschlichen hatte. Wichtig ist jedenfalls, dass wir alle noch retten konnten.“

Marianne Tscherner-Mitteregger ist seit 1985 beim Zoll und Teamleiterin in Spielfeld. Vierzehn Mitarbeiter arbeiten dort beim Zoll, die Grenzabfertigung in Spielfeld erfolgt durch die Polizei. Sie hat natürlich schon einiges erlebt: „Einer unserer größten Erfolge waren 50 Kilogramm Heroin, die wir in einem Lkw gefunden haben. Das Kuriose an der Sache war, dass wir den Empfänger der Sendung kontaktieren konnten und ihn zu uns gebeten haben, weil wir die für ihn bestimmte Ladung untersuchen wollen. Er ist wirklich erschienen – was Pech für ihn war.“

Skurril auch ein Fall von Zigarettenschmuggel, an den sich die Zöllnerin erinnert. „Es war ein Audi A6, den wir kontrollierten. 300 Stangen Zigaretten fanden wir! Es war unglaublich, wo die überall aufgetaucht sind in dem Fahrzeug. Der Fahrer hat dann noch zugegeben, dass er schon acht erfolgreiche Fahrten hinter sich hatte.“

Dass sich Schmuggel nicht auszahlt, können wir nach all den Informationen bestätigen.

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Neues Premstättner Rathaus wird jetzt offiziell eröffnet

Fast 7.000 Einwohner hat Premstätten. Seit einem Jahr ist Matthias Pokorn Bürgermeister, nachdem er davor drei Jahre lang der stellvertretende Ortschef war. Anfang Juli eröffnet er das neue Rathaus, das dem Ort zusammen mit dem neuen Park einen Hauptplatz gibt.

Das neue Gemeindezentrum, das rund acht Millionen Euro gekostet hat, ist ein Jahrhundertprojekt. Somit wurde ein Platz für das öffentliche Leben am Hauptplatz in Premstätten geschaffen. „Im Rathaus, wie der Komplex jetzt heißt, sind die Gemeinde, der Tourismusverband und das Caffe Vino untergebracht. Der Park davor ist eine Begegnungs- und Erholungsstätte für alle Einwohner“, ist der Bürgermeister stolz. Dieser Park soll übrigens um 4.000 Quadratmeter erweitert werden, unter anderem sollen zusätzliche Spiel- und Sportmöglichkeiten dazukommen.

Nötig geworden war der Neubau, weil das alte Gemeindeamt aus allen Nähten platzte. „Teilweise haben sich zwei Mitarbeiter einen Schreibtisch teilen müssen“, erinnert sich Pokorn. „Das war unzumutbar. Außerdem sind wir eine relativ große Gemeinde. Premstätten beschäftig insgesamt 130 Mitarbeiter.“

Das Rathaus ist zwar schon seit mehr als zwei Jahren in Betrieb, die offizielle Eröffnung ist aber erst für den 8. Juli angesetzt. Die Corona-Pandemie hatte mehrfach eine Verschiebung der Eröffnung notwendig gemacht. „Wir veranstalten einen Tag der offenen Tür“, schildert Matthias Pokorn. „Unsere Bürger können im Rahmen von Führungen das Rathaus vom Keller bis zum Bürgermeisterbüro erkunden.“ Auch der Bürgermeister selbst wird mit dem Gemeindevorstand und einigen Mitarbeitern Führungen übernehmen.

Bei der Rathaus-Eröffnung wird auch die Energie Steiermark vertreten sein und über den unmittelbar bevorstehenden Ausbau des Glasfasernetzes in der Gemeinde Auskunft geben. „Im nächsten Jahr werden 70 Prozent der Haushalte – wenn sie es wollen – an das Breitband-Internet angeschlossen werden“, freut sich Pokorn. Außerdem werden die Telefon- leitungen, die noch über Masten laufen, in den Boden verlegt. „Premstätten stellt zusätzlich die Straßenbeleuchtung auf energieeffiziente LED-Lampen um. Das wird sich innerhalb von vier Jahren amortisieren.“

Ausgebaut wird außerdem der öffentliche Verkehr: Der Verkehrsverbund informiert darüber, dass Premstätten das Drehkreuz für den Raum südlich von Graz wird. Sechs Buslinien werden 2023 im Ort zusammentreffen. „Die mit Öffis zurückgelegten Kilometer sollen von 70.000 auf 400.000 pro Jahr gesteigert werden“, freut sich der Bürgermeister für seine Gemeinde. Gefahren wird übrigens im Halbstunden-Takt. „Bisher war der öffentliche Verkehr in Premstätten in Ordnung, jetzt wird er sehr gut“, ist Pokorn überzeugt.

Die Einschränkungen durch die Baustellen will der Bürgermeister möglichst gering halten. Neben Glasfaser und Öffis wird auch der Radverkehr forciert. „Wir werden, zusammen mit dem Land Steiermark, in den nächsten zehn Jahren rund 22 Millionen Euro in Lückenschlüsse und den Ausbau der Radwege investieren.“

„Wir sind aufgrund der Vielzahl unserer Premstättner Betriebe eine Gemeinde die sich etwas leisten kann“, freut sich Matthias Pokorn. „Wir haben gleich viele Arbeitnehmer in Premstätten wie Einwohner, und mit dem Geld, dass dadurch hereinkommt, investieren wir in unsere Kinderbetreuung und Infrastruktur, sowie in unsere Vereine.“ „Wir liegen in einer günstigen Lage direkt südlich von Graz in der Nähe zum Kreuzungspunkt der Süd- und der Pyhrnautobahn, die in alle Himmelsrichtungen führen, sowie zum Flughafen und natürlich zur Landeshauptstadt selbst, das macht Premstätten zu einem idealen Lebensmittelpunkt und Unternehmensstandort!“ Neubürger, die nach Premstätten ziehen, schätzen vor allem die Nähe zu Graz, den Schwarzlsee und gleichzeitig den Kaiserwald. Dies stellt die Gemeinde natürlich vor große Herausforderungen, zum Beispiel im Bereich der Kinderbetreuung. „Es wurde gerade der dritte Kindergarten gebaut, der im Herbst mit zwei Gruppen öffnen wird und später auf vier Gruppen erweitert werden kann“, ist der Bürgermeister stolz.

Premstätten hilft auch sozial schwächeren in der Gemeinde: „Wir unterstützen Bürger, die es brauchen, in der Heizsaison mit einem Heizkostenzuschuss von 150 Euro - zusätzlich zum Zuschuss des Landes. Wegen der explosionsartigen Verteuerung der Energie verdoppeln wir unseren Zuschuss heuer auf 300 Euro. Außerdem fördert die Gemeinde das Klimaticket in diesem Jahr mit 120 Euro.”

Die Förderliste in Premstätten ist lang, schildert Pokorn: „Wir unterstützen die Installation von Photovoltaik, wir haben den Schulstart-Hunderter, das Zeugnisgeld, wir fördern die Lehrlinge und die Betriebe, die Lehrlinge ausbilden.“ Die Gemeinde beteiligt sich auch finanziell an modernen Heizungssystemen wie Hackschnitzel, Pellets oder Luftwärmepumpen. Sogar für Bienenstöcke gibt es Geld. „Mit Blühsamenpaketen und Bäumen und Sträuchern, die wir gratis verteilt haben, unterstützen wir auch die Schaffung von Blumenwiesen, weil wir in Premstätten schon immer auf unsere Bienen geschaut haben.“

Die mannigfaltigen Vorteile, die die Premstättner genießen, sieht Bürgermeister Matthias Pokorn durchaus als Motivation, in seinen Ort zu ziehen, denn: „Ich bin lieber eine Zuzugsgemeinde, als eine, aus der die Menschen abwandern!“

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Nichts tun ist auch keine Lösung!

Die langläufige Einstellung, nichts tun und man macht keine Fehler, ist nicht nur in der momentanen Situation keine Lösung, sondern überhaupt nie! Wir vermissen seitens der Regierung jede Art von Lösungsansätzen.

Lächerliche Versuche wie ein Energiegutschein, werden den Teil der Bevölkerung, der sich das tägliche Leben nicht mehr leisten kann, auch nicht retten. Das ist Verteilen von Almosen mit der Gießkanne und nützt kaum jemanden. 

Die kritische Infrastruktur der Energieversorger, die sich auch im staatlichen Eigentum befinden, beeinflussen den Preis mit Angebot und Nachfrage. Eine Preisdeckelung wie in anderen Ländern wäre auch denkbar und funktioniert dort überraschender Weise, damit Preise nicht ins unendliche steigen. Der Vorschlag, wenn der Treibstoff zu teuer ist, sollen die Pendler mit dem öffentlichen Verkehrsmittel fahren, erscheint wie ein Hohn. In den Ballungszentren würde die Wirtschaft ohne die Arbeitskraft der Pendler zusammenbrechen. Wovon würde dann der Staat Arbeitslosengelder und Pensionen bezahlen können?

Der österreichische Lösungsansatz nichts zu tun und abzuwarten und auf Wunder zu hoffen, ist nicht nur in diesen Zeiten, sondern überhaupt nie eine Lösung.

Die Kette der Preiserhöhungen muss durchbrochen werden. Wenn jeder in der Kette Preise erhöht, wird die Inflation über kurz oder lang in eine galoppierende Inflation kippen. Es ist höchste Zeit, dass die Regierung agiert und nicht nur jämmerliche Versuche eines Reagierens setzt. Eine Gegensteuerung ist dringend notwendig, und zwar nicht nur bei der Energie. Es bringt nichts, wenn Fernseher billiger werden, aber die Kosten für das tägliche Leben explodieren.

Es wurden durch Corona extreme Fördermittel in den Markt gepumpt. Selbstverständlich haben wir eine Inflation, wenn keine Wirtschaftsleistung dieser riesigen Geldmenge gegenübersteht.

Eine systematische Enteignung durch weitere Steuern ist sicher keine Lösung.

Es werden in Österreich genug Steuern vorgeschrieben. Die Energie mit neuen Steuern noch weiter zu verteuern, kann wohl nicht der richtige Weg sein. 

Landwirte zu besteuern ist sicher auch falsch, da diese für unsere Grundversorgung extrem wichtig sind. Leider sind wir in der Versorgung mit Lebensmitteln nicht mehr autark, und uns nur auf die anderen zu verlassen, wird auf Dauer nicht funktionieren. Denkt nur an die bisherige Kornkammer Ukraine!

Immobilien werden bereits versteuert. Die Immobilienertragsteuer gibt es seit 2012. Der Gewinn aus dem Verkauf von Wertpapieren wird versteuert. Jetzt auch noch über eine Vermögenssteuer zu diskutieren, wo unsere Vermögen laufend an Wert verlieren, ist wohl der falsche Zeitpunkt.

Gratulation, Herr Finanzminister, dass Sie die kalte Progression ausschalten wollen! Wir wünschen Ihnen nur viel Glück beim Koalitionspartner, bei dem man ja manchmal das Gefühl hat, er möchte am liebsten das Eigentum abschaffen. Die Regierung sollte endlich aufwachen, frei nach dem Dichterwort: „Der Worte sind genug gewechselt, nun lasst uns endlich Taten sehen.“

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Das Mehl geht uns in Österreich nicht aus

Bernhard Gitl, GoodMills

Auf allerhöchste Qualität setzen die Mühlen der österreichischen GoodMills GmbH. Am Standort Raaba werden die bekannten Farina-Mehle hergestellt. Bernhard Gitl ist Mitglied der Geschäftsführung der Mühlengruppe und war zum Frühstück beim Journal Graz zu Gast. Er sprach über Versorgungssicherheit, Preise und Qualität.

„Weizenengpässe wegen des Krieges in der Ukraine wird es bei uns nicht geben“, versichert Bernhard Gitl. „Das liegt daran, dass in Österreich mehr Weizen produziert als verbraucht wird. Allein der Weizenanbau im Vulkanland in der Steiermark gibt uns auch eine gewisse Sicherstellung. Wir haben beim Weizen immer zu 100 Prozent auf Österreich gesetzt – gerade in Krisenzeiten zeigt sich die Wichtigkeit der Regionalität.“

Die Getreidesorten wachsen hierzulande in einer besonders guten Qualität und weisen einen hohen Eiweißgehalt auf, betont er. „Die Italiener importieren relativ viel österreichischen Weizen und mischen ihn in ihren eigenen, um die Qualität zu verbessern“, weiß der Mühlen-Fachmann.

Die Farina-Mühle in Raaba arbeitet 24 Stunden am Tag. 15.000 Tonnen Getreide fasst der Silo – ein Vorrat für drei Monate, erklärt der Mühlen-Chef. 85.000 Tonnen Getreide vermahlt der Betrieb in Raaba im Jahr. „Diese Kapazität kann auch nicht erhöht werden. Wir können nicht schneller mahlen, auch das Abfüllen braucht seine Zeit.“

Wenn es zu zeitweisen Mehlengpässen im Handel gekommen sei, dann liege die Verantwortung dafür bei den Konsumenten, versichert Gitl. „Hamstern ist nicht gut, denn es steckt an. Wenn es dann zu Panikkäufen kommt, steigen erstens die Preise und es entstehen zweitens wirklich Versorgungslücken, die gar nicht sein müssten.“

Der Konflikt um die Ukraine führe allerdings zu steigenden Preisen. „Es gibt Länder, die viel Getreide von dort beziehen. Die sehen sich jetzt natürlich auf dem Weltmarkt um, wie sie diese Importe ersetzen können. Und das treibt die Preise hinauf, auch in Österreich.“ Binnen eines Jahres sei der Preis für eine Tonne Weizen von 200 auf 400 Euro gestiegen.

„Man muss aber dazu sagen, dass wir jahrelang darum gekämpft haben, dass Lebensmittel wieder etwas wert sind“, betont Bernhard Gitl. „Müssen Semmeln weniger als 10 Cent kosten? Oder ein Kilogramm Mehl 39 Cent? Damit kann die Landwirtschaft nicht überleben.“

Völlig unbeeinflusst vom Krieg in der Ukraine bleibt die heimische Mühlenwirtschaft nicht. „Wir benötigen ja nicht nur das Getreide. Das Mehl muss in Sackerl abgefüllt werden. Die sind aus Papier, das viel Energie für die Herstellung braucht. Wir selbst benötigen Energie fürs Mahlen. Wir müssen Treibstoff kaufen. Und das alles ist knapper und teurer geworden.“

Im Bereich Energie und Nachhaltigkeit war Farina jedoch schon immer ein Vorreiter. Bereits 2008 wurde die damals größte Fassaden-Photovoltaikanlage Österreichs errichtet. Heute ist man stolz darauf, zu 100 Prozent CO2 neutral produzieren zu können. „So ist unser Slogan ,Die Kraft der Sonne‘ nicht nur ein Marketing-Gag“.   

Mehl, so Gitl, ist in Österreich eine sehr regionale Angelegenheit. GoodMills stelle an seinen drei Standorten in Raaba, Schwechat und Rannersdorf mehrere Marken her. „Farina gibt es zum Beispiel in der Steiermark, Eselmehl in Niederösterreich. Im gesamten Bundesgebiet vertreiben wir Fini’s Feinstes.“ Vermahlen wird von der Gruppe neben Weizen, Roggen und Dinkel auch Hartweizen, der für die Nudelproduktion benötigt wird. Dazu kommen Mais für Polenta, Heidenmehl für Sterz sowie das seltene Urgetreide Kamut (ist dem Hartweizen ähnlich), das einige Bäcker verwenden.

25.000 Tonnen Mehl im Jahr werden in Bio-Qualität produziert. „Die kommen alle aus unserer Mühle in Rannersdorf“, sagt Gitl. Die Mehle werden auch für die Gebäck-Eigenherstellung von Handelsketten eingesetzt.

GoodMills ist Österreichs größte Mühlengruppe. 125 Mitarbeiter – 45 davon in Raaba - vermahlen rund 200.000 Tonnen Getreide, schildert Gitl. Beliefert werden Industrie und der heimische Lebensmitteleinzelhandel sowohl mit konventionellen Mehlen und Mahlprodukten, als auch mit einem umfassenden Bio-Sortiment. „Wir sind ein urösterreichisches Unternehmen“, sagt der Manager. GoodMills Österreich ist die österreichische Tochtergesellschaft der international tätigen GoodMills Group. Ursprünglich im Jahre 1879 als Erste Wiener Walzmühle in Wien gegründet, wurde sie schnell zu einem Vorzeigeobjekt für hochwertige Mehlproduktion in Österreich. Die gesamte Gruppe gehört zu Raiffeisen.

Die Mühle in Raaba kam im Jahr 2000 zur Gruppe. Sie war ursprünglich 1919 von der ukrainischen Familie Schedlbauer gegründet worden, die nach der Oktoberrevolution aus Odessa nach Österreich flüchten musste.

„Wir müssen dem Mehl wieder eine Seele geben“, ist Gitl überzeugt. „Es ist eines der wichtigsten Lebensmittel, und das sollte sich auch darin niederschlagen, dass es uns wieder etwas wert ist.“ Backen sei auch eine soziale Aktivität: „Wir haben es in der Pandemie gesehen, die Menschen haben gemeinsam daheim gebacken. Nicht nur Torten und Kekse, sondern auch Brot und Semmeln. Da haben viele erst gemerkt, wie wertvoll die Arbeit des Bäckers ist.“

Das Argument, dass Lebensmittel insgesamt zu teuer seien, kann der Mühlenchef nicht wirklich nachvollziehen. „Sicher hat es zuletzt Preiserhöhungen gegeben. Aber wir kommen von einem sehr niedrigen Niveau. Die Haushalte geben rund zehn Prozent ihres Einkommens für die Ernährung aus – bei unseren Eltern und Großeltern waren es noch 40 Prozent.“

Anfang Juni feiert Bernhard Gitl sein 25-Jahr-Jubiläum in der Mühle Raaba. Er wechselte damals von seinem Job als Filialinspektor bei Hofer ins Mühlengeschäft. Begonnen hat er seine Karriere beim Bankhaus Krentschker am Eisernen Tor (heute Sparkasse) in Graz. Mit dem Wechsel zu Hofer begann die Leidenschaft für Lebensmittel. Er wurde von der Familie Schedlbauer (Farina) angeworben, die Familie verkaufte drei Jahre später an den Mitbewerber Fini. Neben dem Beruf studierte Gitl am Campus02 Marketing und Sales, 2003 schloss er das Studium ab. Seit zehn Jahren unterrichtet er dort selbst Distributionspolitik.

Seine beiden Söhne, die er mit seiner Frau Asella hat, absolvierten ebenfalls den Campus02. Vor kurzem ist Gitl Großvater geworden, wenn die Sprache auf seinen Enkel Jonathan kommt, beginnen die Augen des Managers zu leuchten. „Die Familie baut gerade ein Haus, der Opa hilft natürlich mit.“

Neben seiner Berufstätigkeit ist der Mühlen-Chef Gemeinderat in seinem Wohnort Kirchbach. „Es ist unglaublich, was aus der Region geworden ist. Früher glaubte man, dort ist die Welt gleich zu Ende, dahinter kommt der große Abgrund. Heute ist das Vulkanland eine prosperierende Gemeinschaft.“ Seine Aufgabe als Gemeinderat sieht Gitl vor allem darin, Visionen für die Zukunft zu entwickeln, „damit die tolle Entwicklung des Vulkanlands weiter anhält“.

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