Priester zwischen Seelsorge und Seitenblicken

Dompfarrer Toni Faber

„Toni“ Faber ist seit einem Vierteljahrhundert Dompfarrer im Wiener Stephansdom. Er ist zwar in allen Medien präsent, sieht sich aber als ganz normalen Seelsorger. Der Dom ist für Faber aber auch ein mittelständisches Unternehmen, das er mit führt.

Rund 80 Mitarbeiter sind im Wiener Stephansdom tätig. Allein 30 werken in der Dombauhütte, die sich seit Jahrhunderten um die Erhaltung der gotischen Kathedrale kümmert. Weitere 40 Menschen arbeiten im Betriebsdienst, andere im Büro und den Spendenvereinen für den Stephansdom. „Ich bin ein Teil dieses Unternehmens, nicht der Chef, aber im Vorstand“, erklärt der Dompfarrer.

Neben seiner seelsorgerlichen Tätigkeit ist Toni Faber „in den vergangenen 25 Jahren immer mehr PR-Aufgaben nachgekommen“, wie er selber sagt. „Ich schreibe jede Woche eine Kolumne in einer Tageszeitung, die 300.000 Leser erreicht“, ist der Dompfarrer stolz. „Allein in dieser Woche habe ich zusätzlich einige Termine bei Veranstaltungen und mit Politikern, mein Leben ist wahnsinnig ausgefüllt, ich habe eine 80- bis 100-Stunden-Woche. Ich befinde mich mitten im reißenden Strom des Lebens und werde nicht nur mitgetrieben, sondern kann mit Schwerpunkte setzen.“

Kunst und Kultur liegen Faber besonders am Herzen. Mit vielen prominenten Künstlern wie Erwin Wurm oder Gottfried Helnwein hat er gemeinsame Projekte in Sankt Stephan umgesetzt.

Die Religion wurde Toni Faber nicht in die Wiege gelegt. „Ich stamme aus einer sehr einfachen Familie”, schildert er seine Herkunft. „Mein Papa war weder besonders katholisch, noch an Kunst interessiert.“ Er sei in die Religion eher hineingeschlittert, erinnert sich der Dompfarrer. Als Schüler sei die Pfarre seine zweite Heimat geworden. „An der Schule war ich erst Klassen-, dann Schulsprecher. Und in der Pfarre Jugend- und Jungscharverantwortlicher. Ich war ein Gschaftlhuber, gar nicht auf religiöser Basis, aber als Aktivist.“

Mit 17 Jahren änderte sich Toni Fabers Leben schlagartig. „Ich bekam von meiner Ärztin die Diagnose, dass mir ein Nierenversagen droht. Wenn ich Pech habe, meinte meine Ärztin, blieben mir noch zwei oder drei Jahre.“ Er habe nachgedacht und sei zu dem Schluss gekommen, wenn Gott ihm das Leben geschenkt habe, müsse er sich selbst fragen, was er für Gott tun könne.

Faber trat ins Priesterseminar ein. „Einsiedler wäre nichts für mich gewesen“, lacht er, „ich stand und stehe mitten im Leben.“ Das Seminar habe für ihn nichts bedeutet, „plötzlich vor der Hälfte der Weltbevölkerung Angst haben zu müssen, dass sie mich verführen könnte“, schmunzelt der Dompfarrer. „Man muss sich nur darüber klar werden, wie es sein wird, als Priester unverheiratet innerhalb der Kirche aktiv zu sein und einen Platz zu finden.“ Der Zölibat, so der Priester, werde ohnehin völlig überschätzt: „Wer denkt mit 18 schon ans Heiraten, da denkt man daran, eine Freundin zu haben und du schaut, ob es mit jemandem passt. Sicher habe ich mich dafür entschieden, auf eine eigene Ehe und eine eigene Familie zu verzichten. Inzwischen bin ich eh 60 Jahre alt, da sind eigene Kinder nicht mehr das Thema.“

Der Platz als Dompfarrer „mit seiner Vielzahl an Seelsorge, Management und PR“ sei offenbar für ihn bestimmt gewesen, und das macht Toni Faber glücklich. „Dass ich noch dazu ein ganz normaler Mensch im Herzen der Stadt sein kann, hätte ich nie für möglich gehalten.“ Die Seitenblicke-Gesellschaft, in der sich der Dompfarrer gerne bewegt, sei wie ein Dorf: „Jeder kennt jeden und man zieht gemeinsam von Hütte zu Hütte. Ich bin halt der Dorfpfarrer.“

Corona hat auch die Situation im Stephansdom beeinflusst. „Früher hatte ich bei der Abendmesse am Sonntag ungefähr 700 Besucher. Jetzt sind es weniger geworden.“ Am Glauben liege es aber nicht, ist Toni Faber überzeugt. „Ich habe in der Pfarre rund 100 Wiedereintritte im Jahr, mehr, als in meinem Zuständigkeitsbereich aus der Kirche austreten.“

Auch wenn Toni Faber privat unterwegs ist, trägt er zumindest das Kollar, den Priesterkragen. „Sonst glauben die Menschen nur, ich möchte mich verstecken. Ich bin halt bekannt wie ein bunter Hund. Es ist schon vorgekommen, dass ich in einem Lokal aufs WC gehe und mich ein leicht illuminierter Gast anspricht, ob ich echt bin. Dann wollte er bei mir unbedingt sofort die Beichte ablegen: Ich habe geantwortet: Sehr gerne, aber erst muss ich aufs Klo“, lacht der Pfarrer.

Das schönste und berührendste Erlebnis in seiner Tätigkeit als Priester hat Faber vor 30 Jahren gehabt. „Eine Dame kam damals zur Beichte, die sichtbar im horizontalen Gewerbe arbeitete. Sie erzählte mir, dass sie in ihrer Jugend von ihrem Vater missbraucht wurde, drogenabhängig sei und sich überlege, ob sie sich das Leben nehmen oder weiter ins Bordell arbeiten gehen solle.“ Er habe sich in diesem Moment völlig überfordert gefühlt, gesteht der Priester ein. „Da habe ich den lieben Gott gebeten, mir irgendetwas einzugeben, was ich der Dame sagen könnte. Dann sagte ich zu ihr, darf ich für Sie beten und Ihnen die Hände auflegen?“ Das habe er dann getan, und die Prostituierte habe ihm geantwortet: „So hat mich noch nie ein Mann berührt!“ Spontan umarmte sie Faber und verschwand in der Nacht. „Damals habe ich gespürt, allein für diese Begegnung hat es sich ausgezahlt, Priester zu werden.“

Im März ist Toni Faber 60 Jahre alt geworden. Er hat vor, bis 75 zu arbeiten, „aber nicht unbedingt in der gleichen Geschwindigkeit wie heute“. Derzeit hat der Dompfarrer nur am Montag frei. „Wenn da ab und zu auch ein Dienstag dazu käme, wäre das eine schöne Sache. Ich arbeite ja gerne, aber es tut einem halt gut, wenn man einmal spazieren gehen kann.“

Faber ist, wie er zugibt, ein Genussmensch. Seine Lieblingsweine kommen aus der Steiermark: der Gelbe Muskateller und der Sauvignon Blanc von Sabathi. Beim Essen hat er keine besonderen Vorlieben. „Kochen kann ich nicht, und ich lebe nach dem Motto: Friss die Hälfte. Würde ich alles essen, was mir angeboten wird, wäre ich kugelrund. Außerdem muss ich wegen meiner Nieren und meiner Bauchspeicheldrüse sowieso aufpassen. Aber das ist nur ein kleiner Verzicht.“

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„Österreich soll gestärkt aus der Krise kommen“

Herr Minister Brunner, vergangenen Dezember wurden Sie überraschend Finanzminister. Damals sagten Sie: „Der spannendste Job, den man in der Politik haben kann, ist Finanzminister”. Sehen Sie das heute auch noch so?

Auf jeden Fall. Es ist der spannendste und einer der herausforderndsten Jobs, den man in der Politik haben kann – gerade jetzt umso mehr aufgrund der Krisen. Die Aufgaben, die wir zu bewältigen haben, sind historisch. Viele können das Wort Krise nicht mehr hören. Das kann ich persönlich sehr gut nachvollziehen. Die Krise ist ein scheinbar ständiger Begleiter unseres Alltags geworden. Und man kann auch nicht versprechen, dass wir 2023 keine Krisensituation mehr haben werden. Wir müssen bestmöglich vorsorgen, falls der Staat wieder helfen muss, und gleichzeitig investieren wir in die Themen der Zukunft.

Welche Themen der Zukunft sind das?

Etwa das Thema Energieunabhängigkeit, Versorgungsicherheit und digitale und ökologische Transformation. Wir alle und vor allem die Haushalte und Betriebe in Österreich spüren die Auswirkungen der russischen Aggression in der Ukraine vor allem im Energiebereich. Deshalb sage ich immer: Wir dürfen nicht zulassen, dass die Willkür eines Mannes entscheidet, ob unsere Heizungen in Österreich kalt oder warm sind. Daher reduzieren wir in Österreich und Europa unsere Abhängigkeit von Russland im Energiebereich.

Aber der Krieg gefährdet vor allem auch die Sicherheit. Das Bundesheer bekommt auch mehr Geld?

Ja, natürlich. Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat die Sicherheitslage in Europa schlagartig geändert. Um die Neutralität Österreichs zu schützen, investieren wir bis 2026 zusätzlich 5,3 Milliarden Euro in das österreichische Bundesheer. Gleichzeitig investieren wir in die Infrastruktur, um etwa im Falle eines Blackouts bestmöglich gerüstet zu sein. Und wir stärken den Schutz im Cyber-Raum sowie die elektronische Kampfführung.

Die Teuerung belastet die Menschen in Österreich sehr, viele haben Angst vor dem Winter und den Heizkosten. Was tut die Regierung, um den Menschen hier zu helfen?

Die Menschen haben angesichts der hohen Inflation große Sorgen. Mit den Maßnahmen der Regierung helfen wir den Österreicherinnen und Österreichern, gut durch den Herbst und Winter zu kommen. Allein heuer haben wir für die Menschen Entlastungsmaßnahmen in Höhe von 6,3 Milliarden Euro umgesetzt, und in den nächsten Jahren bis 2026 werden wir mehr als 30 Milliarden zur Entlastung ausgeben. Wir haben zu Jahresbeginn zwei Pakete mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 4,4 Milliarden Euro geschnürt, darunter etwa Sofortzahlungen für besonders betroffene Gruppen. Das dritte Antiteuerungs-Paket bringt in Summe 28,7 Milliarden Euro an finanzieller Entlastung.

Das ist viel Geld. Kommt es auch bei denen an, dies es dringend brauchen?

Ja, das kommt auch an. Noch im Sommer haben wir jene neuerlich mit 300 Euro entlastet, die - wie Mindestpensionisten zum Beispiel - am stärksten betroffen sind. Familien profitieren von der zusätzlichen Einmalzahlung der Familienbeihilfe für jedes Kind in Höhe von 180 Euro im August, vom vorgezogenen höheren Familienbonus Plus und der Kindermehrbetrag. Die 500 Euro Klima- und Anti-Teuerungsbonus sollten auch schon bei den allermeisten angekommen sein. Für uns als Bundesregierung war immer klar: Wir lassen die Menschen nicht im Stich. Das ist die Verantwortung, die wir wahrgenommen haben, und wir werden weiterhin tun, was notwendig ist.

Sie nehmen also sehr viel Geld für Antiteuerungs-Maßnahmen in die Hand. Gleichzeitig meinten Sie aber in Interviews, dass der Staat die Inflation nicht zu 100 Prozent ausgleichen kann. Wie passt das zusammen?

Wir können es uns vor allem nicht leisten, nicht zu helfen.  Wir müssen das das Notwendige zur Verfügung stellen. Dazu braucht es Fingerspitzengefühl zwischen notwendiger Unterstützung und sparsamen Umgang mit Steuergeld und der Treffsicherheit. Aber ja, Corona und die aktuelle Wirtschaftskrise haben die Relationen verschoben. Pakete, die laut manchen „nur ein paar Millionen“ ausmachen, werden medial als Kleinigkeit kritisiert. Wir alle müssen endlich unser Steuergeld wieder mehr schätzen, und vor allem müssen wir mittel- bis langfristig den Schuldenberg wieder abtragen. Nicht aus Selbstzweck, sondern um für spätere Krisen vorzusorgen. 

Sie haben gerade Ihre erste Budgetrede im Nationalrat gehalten. Wie schwierig war diese Budgeterstellung?

Es gab natürlich intensive, aber stets sachliche Verhandlungen zwischen dem Finanzministerium und den Ressorts. Wir reagieren mit diesem Budget auf die aktuellen Herausforderungen, und hier können wir nicht alle Wünsche erfüllen, sondern müssen Schwerpunkte setzen. Wir haben auch 2023 8,4 Milliarden Euro - also viel Geld - unmittelbar für den Kampf gegen die Teuerung budgetiert. Mitten in der größten Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg haben wir die ökosoziale Steuerreform umgesetzt und reduzieren auch 2023 die Tarifstufen der Lohn- und Einkommensteuer sowie die Steuern für Unternehmen. In Summe beträgt die Entlastung der Österreicherinnen und Österreicher und der heimischen Wirtschaft alleine durch die ökosoziale Steuerreform bis 2025 rund 18 Milliarden Euro. Mit   1. Jänner 2023 schaffen wir zudem die kalte Progression ab, das ist schon historisch und künftig jedes Jahr eine automatische Steuerreform. Eine weitere strukturelle Änderung ist die die Valorisierung zusätzlicher Sozialleistungen.

Abschließend gefragt – wie soll man in einigen Jahren auf diese Zeit zurückblicken?

Mein Anspruch ist, dass Österreich nicht nur gut durch diese schwierigen Zeiten, sondern gestärkt aus der Krise kommt.

Danke für das Gespräch.

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Sissi und Wolfgang haben sich getraut

Sissi und Wolfgang

Besucher des Grazer All-you-can-eat-BBQ-Restaurants Cooking Wu kennen sie: Xixi Wu, besser bekannt unter dem Vornamen Sissi. Nun hat die immer freundliche, sympathische, in Graz geborene und aufgewachsene Frau mit     chinesischen Wurzeln ihren Wolfgang geheiratet. Die beiden Steirer haben sich in Wien kennengelernt, wo sie seit einigen Jahren leben.

Das erste Mal gesehen hat Wolfgang seine Sissi 2015, als sie in Wien das Asia-Fusion-Restaurant IKO in der Wipplingerstraße 6 mit einer Freundin eröffnete. „Sie hat damals Hotpants getragen, weil es so heiß war“ schwärmt der frisch gebackene Ehemann noch heute. „Es waren kurze Hosen, er übertreibt“, korrigiert ihn seine Sissi lachend. Jedenfalls genügte der Anblick, damit Wolfgang, der in Wien Anwalt für Immobilien- und Gesellschaftsrecht ist, die Nase regelmäßig ans Fenster des Asia Lokals Iko  drückte.

„Es war harte Arbeit, bis sie sich für mich interessierte, es hat Monate gedauert“, erinnert sich Wolfgang. „Ich habe immer so lange gewartet, bis das Mittagsgeschäft vorbei ist, und gehofft, dass ich Sissis Aufmerksamkeit errege. Es dauerte lange, bis wir auf einen Kaffee gegangen sind. Einige Zeit später durfte ich sie sogar zu einem Abendessen einladen.”

In den Schoß gefallen ist die Beziehung dem Anwalt also nicht. „Muss man halt arbeiten daran“, kommentiert seine Frau lakonisch. „Für seine Traumfrau geht man halt ein paar Monate lang gern jeden Tag später essen“, lacht Wolfgang.

Als es dann endlich zwischen den beiden gefunkt hatte, waren Sissis Eltern erst skeptisch. Sie ist die Enkelin von „Onkel Wu”, der 1984 eines der ersten Chinarestaurants in Graz aufgemacht hat, die „Große Mauer“ in der Steinbergstraße, die bis heute als einer der besten Chinesen der Landeshauptstadt gilt. Sissis Vater ist der Sohn von Opa Wu. Er betrieb mit seiner Frau Xiaoling Jie lange das Restaurant Hunan in der Nähe des Feliferhofs, bevor er das Cooking Wu in der Straßgangerstraße gründete. Sissi selbst ging in Graz aufs Gymnasium, studierte BWL, half im Restaurant, machte die Buchhaltung und kümmerte sich darum, gute Mitarbeiter zu bekommen. Anschließend war Sissi für eine große Unternehmensberatungsfirma in Wien tätig.

Die Wus hätten eher erwartet, dass Sissi mit einem Chinesen zusammenkommt. „Aber sie haben relativ bald gesehen, dass Wolfgang im Herzen ein kleiner Chinese ist, und haben ihn akzeptiert“, erzählt Sissi lächelnd. „Uns ist die Familie sehr wichtig, familiärer Zusammenhalt steht an oberster Stelle, und das finde ich bei Wolfgang wieder.“

Im Februar 2018 fragte Wolfgang, ob Sissi ihn heiraten wolle. Es war in Thailand, wo ein Urlaub gebucht war. Wolfgang hatte auch einen Verlobungsring dabei, um zu zeigen, dass er es ernst meint. „Ich habe am Strand mit Windlichtern einen Schriftzug hinstellen lassen: ,Sissi, willst du mich heiraten?‘. Als sie den gesehen hat, ging ich auf die Knie und habe den Ring präsentiert.“ Den hatte der Anwalt selbst gezeichnet und von einem Juwelier anfertigen lassen.“ „Es war sehr emotional, ich konnte gar nicht fassen, was da abgeht. Hatte Schmetterlinge im Bauch und Tränen in den Augen“, erzählt Sissi noch immer emotional.

Eigentlich sollte ihre Hochzeit ja schon vor zwei Jahren stattfinden, aber Corona kam wie bei vielen anderen Paaren auch dazwischen. Der Termin musste mehrmals verschoben werden, was durchaus Folgen hatte. „Ich habe mich in meinen Hochzeitsanzug wieder hineinmagern müssen“, seufzt der Bräutigam. „Wir essen ja beide gern, aber bei Sissi sieht man das nicht, nur bei mir. Zum Glück ist Verzicht meine Stärke! Nein, nicht wirklich, aber es klingt gut“, lacht Wolfgang.

Das Gute an der Corona-Pandemie war, dass wir viel Zeit miteinander verbringen konnten und uns ein Kind wünschten. Das schönste Geschenk, Philippa Philomena, kam dann vor 14 Monaten zur Welt. „Sie hat eine sehr gewinnende Persönlichkeit und ist ein kleiner Baby-Boss. Das hat sie von ihrer Mama. Ich finde mich nur in ein paar Speckfalten der Kleinen wieder“, schmunzelt der stolze Vater. Seine beiden Töchter aus erster Ehe, die 13-jährtige Paula und die 11-jährige Viola, sind ebenfalls von ihrer Schwester begeistert. „Untereinander sind sie wegen jeder Kleinigkeit aufeinander eifersüchtig, aber die Kleine genießt bei ihnen Welpenschutz“, freut sich Papa Wolfgang.

Getraut wurden Sissi und Wolfgang am 27. August vom Dompfarrer des Wiener Stephansdomes. Toni Faber hat mit einer Rede, die unter die Haut ging, das Paar mit verschiedenen Wurzeln zu Mann und Frau gemacht. Gefeiert wurde im Palais Liechtenstein, das elegante Repräsentationsräume für alle möglichen Veranstaltungen bereitstellt. 220 Gäste kamen. Beide nervös, haben x-Mal ihr Ehegelübde gelesen und auch auswendig gelernt. Sissi hat es daheim vor dem Spiegel geübt und sogar dabei geweint, weil sie einfach nur glücklich war und sich auf diesen Tag freute. Bei der Hochzeit selbst gab es dann zum Glück keine Hoppalas“, freut sich das Paar. Das Wetter spielte ebenfalls mit und schickte viel Sonne, die teilweise noch vom Blitzlichtgewitter der anwesenden Chinesen und Fotografen überstrahlt wurde. Für die Fotos musste sich das Brautpaar sehr oft küssen, was aber keine Herausforderung war, sondern die Liebe zueinander besiegelte.

Noch während der Trauung kam die Teezeremonie, welche in China ein wichtiges Ritual vor der Eheschließung ist. Dabei reicht das Brautpaar den Eltern von Braut und Bräutigam Tee, und wenn sie diesen trinken, beweist das, dass die Eheleute in den Familien des anderen aufgenommen wurden und ab sofort zwei Papas und zwei Mamas haben.

Bei der Agape gab es Austern und rosa Champagner, bis das Brautpaar zum Dinner in den Herkules Saal rief. Nach dem Essen gab es eine Feuershow im Garten des Palais Liechtenstein, wo das Brautpaar auch selbst Hand anlegen durfte. Höhepunkt waren dann die Tanzdarbietungen des Brautpaares. Sissi, die ausgesprochen sportlich ist, zeigte mit ihren Freundinnen einen Poledance. Auch Wolfgang ließ es sich nicht nehmen, für Sissi zu tanzen und zeigte mit vier Freunden eine tolle Show als „Back Street Boys“. Die Darbietung wurde mit Applaus gekrönt. Vergessen wird das Brautpaar diesen Tag wohl nie mehr, denn es war einfach eine Hochzeit der anderen Art.

Jetzt geht es für das Brautpaar für drei Wochen auf Hochzeitsreise. Die führt ab Anfang Oktober nach Neuengland an der nordostamerikanischen Küste. „Dort ist der Indian-Summer, in dem sich die dichten Wälder herrlich verfärben“, freuen sich die beiden. Die Stadt Boston und die US-Bundesstaaten Maine und Massachusetts stehen auf dem Reiseprogramm. „Dann geht es nach New York, und von dort aus fliegen wir für zwei Wochen zum Strandurlaub nach Costa Rica. Da ist dann auch Philippa mit von der Partie, sie kommt mit ihrer Großmutter nach New York nach. Länger als ein paar Wochen halten wir es nicht ohne sie aus, das macht uns traurig“, versichern Sissi und Wolfgang unisono.

Wir wünschen Euch nochmals viel Glück und bleibt, wie Ihr seid, ein Traumpaar, nicht nur am Tag der Hochzeit.

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„Die Aufgaben als Landeshauptmann haben meinen Alltag verändert“

Landeshauptmann Drexler

Anfang Juli hat Christopher Drexler die Funktion des steirischen Landeshauptmannes von Hermann Schützenhöfer übernommen. Den Wechsel vom Grazer Landhaus in die Burg hat er gewohnt routiniert vollzogen. Seinen Alltag hat der Sprung an die Spitze des Bundeslandes verändert.

„Obwohl Hermann Schützenhöfer und ich den Wechsel gut vorbereitet haben, betrete ich nach wie vor jeden Tag Neuland, erlebe Neues und lerne dazu“, erzählt Drexler. Eine Routine, bei der man sage, „das habe ich alles schon erlebt“, sei noch nicht eingetreten. Trotz aller Herausforderungen, die die schwierigen Zeiten mit sich brächten, bereite ihm das Amt als Landeshauptmann der Steiermark auf jeden Fall viel Freude.

Er sei, so Christopher Drexler, seit dem   4. Juli – dem Tag seiner Amtsübernahme – „noch viel mehr im ganzen Land unterwegs gewesen als bisher, und ich bin extrem dankbar für viele Gespräche, viel Zuspruch und manchen Hinweis.“ Angesprochen wird der Landeshauptmann oft: „Über die Jahre als Klubobmann im Landtag und als Landesrat habe ich für den Weg vom Landhaus zur Burg immer fünf Minuten gebraucht. Jetzt ist es mindestens eine halbe Stunde – aber nicht, weil ich plötzlich langsamer gehe, sondern weil mir unterwegs viele Menschen begegnen, die mir ihre Sorgen und Anliegen mitteilen.“

Der Alltag Drexlers hat sich geändert. „Der Unterschied zwischen Landeshauptmann und normalen Regierungsmitglied im persönlichen Erleben ist viel größer, als ich je erwartet habe.“ Man sei in einem ganz anderen Maß exponiert. „Egal, wo ich in der Steiermark unterwegs bin oder ob ich an einem meiner seltenen freien Sonntage mit meiner Frau auf die Rote Wand wandere, eigentlich ist jeder Ausflug eine Veranstaltung. Das bereitet mir auch viel Freude, denn es kommt immer zu wertvollen Begegnungen und Gesprächen.“

Die geordnete Übergabe des Amtes ist für den neuen LH eindeutig ein Startvorteil. „Ein so gut geplanter Übergang ist nur möglich, wenn man wie Hermann Schützenhöfer und ich ein 30 Jahre lang geschmiedetes freundschaftliches Verhältnis hat.“ Der 3. Juni – der Tag, an dem die Nachfolge offiziell bekannt gegeben wurde – sei ein extrem bewegender Tag für ihn gewesen, erinnert sich der neue Landeshauptmann. „Das gilt auch für den    4. Juli, den Tag der Amtsübergabe und den Abschluss bildet in dieser Hinsicht der Landesparteitag, weil das der letzte Schritt in diesem Dreiklang war.“

Am bewährten steirischen Weg der Zusammenarbeit wird Christopher Drexler nichts ändern. Er wolle diesen erhalten und noch ausbauen. „Es ist eine glückliche Fügung, dass mein Koalitionspartner Anton Lang und ich seit Jahren intensiv und gut miteinander arbeiten. Wir haben das Budget gemeinsam gemacht, wir haben die Regierungskoordination gemanagt. So etwas wie Vertrauen kann man nicht verordnen. In ein Regierungsübereinkommen kann man nicht hineinschreiben: Vertragt euch, habt euch gern. Zwischen Lang und mir herrscht das notwendige Vertrauen.“

Es sei ihm ein Anliegen, so der Landeshauptmann, auch mit den anderen im Landtag vertretenen Parteien einen guten Austausch zu pflegen. „Im Sommer war das logischerweise nicht so stark der Fall, aber ich möchte das jetzt intensivieren.“ Für ihn erstrecke sich das steirische Klima der Zusammenarbeit nicht nur auf die beiden Regierungspartner, sondern auch auf einen guten und qualitätsvollen Umgang mit den Oppositionsparteien. „Und weit darüber hinaus und in ganz besonderem Maß gilt das für die gesamte Zivilgesellschaft.“

Langzeitpolitiker Drexler, der vor mehr als 30 Jahren Obmann der Jungen ÖVP wurde und seit 22 Jahren dem Landtag beziehungsweise der Landesregierung angehört, war nicht immer auf Parteilinie. So forderte er Tempo 160 auf Autobahnen, trat für die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare ein oder wollte eine Abschaffung der Neutralität. „Das mit dem Tempolimit habe ich eingestellt, 130 km/h passen schon“, schmunzelt der Landeshauptmann. Für homosexuelle Paare sei mittlerweile sogar die Ehe möglich. „Bei der Neutralität hat sich meine Position geändert, auch weil die Neutralität selbst sich durch den EU-Beitritt verändert hat. Heute würde ich am Neutralitätsgesetz nicht mehr herum- basteln wollen, aber eines muss schon klar sein: Man darf militärische Neutralität nicht mit inhaltlicher Teilnahmslosigkeit verwechseln. Wenn jetzt manche kommen und erklären, als neutraler Staat dürfen wir uns zu Wladimir Putin nicht äußern, dann halte ich das für eine echte Scharlatanerie.“

Kunst ist Christopher Drexler wichtig. Darum habe er ganz bewusst die Kulturagenden, die er als Landesrat über hatte, mit in das Büro des Landeshauptmannes genommen. „Wir haben in den vergangenen Jahren wieder an die Tradition der Steiermark als bemerkenswertes österreichisches Kulturland anknüpfen können“, ist Drexler stolz. Die Steiermark-Schau, deren zweite Auflage nächstes Jahr stattfindet, sei zum Beispiel ein tolles Projekt. „Kulturpolitik wird immer ein wichtiger Bereich für mich bleiben. Aber natürlich steht jetzt die Hauptverantwortung für das Land im Mittelpunkt, wo die Kultur nur ein Teil davon ist.“

Als Intellektuellen möchte sich Drexler nicht verstanden wissen. „Ich würde mich selbst nie als einen solchen bezeichnen. Mein Anspruch an einen Intellektuellen ist doch um einiges höher.“ Auftritte in Tracht seien nicht der Versuch, sich ein volksnahes Image zu geben. „Meine Liebe zur Tracht hat sich schon vor vielen Jahren entwickelt, inzwischen bin ich ein Fan des Steirischen Heimatwerkes. Man muss deshalb nicht jeden Tag im Steirerrock unterwegs sein. Tracht ist ein wunderbares Zeugnis unserer Tradition und Kultur. Deshalb muss man auch alles unternehmen, um zu verhindern, dass die Tracht in ein falsches Eck gerückt wird oder gar von den falschen Kräften vereinnahmt wird.                                    

Mit seiner Frau Iris, die er im Vorjahr geheiratet hat, ist der Landeshauptmann ins ländlich geprägte Passail gezogen. „Dort kann ich manches aus meinem politischen Alltag hinter mir lassen und mich drauf freuen, noch kurz auf meiner Terrasse zu sitzen. Es hat auch meine Perspektive verändert, weil ich im Winter mit meinen Buben in 15 Minuten beim Schilift sein, im Sommer aber auch Wandern kann. Und dann darf ich in Passail eine wundervolle und tolle Gemeinde und Gemeinschaft erleben.“

An Herausforderungen mangelt es derzeit nicht. Besondere Zeiten würden besondere Maßnahmen erfordern, ist Drexler überzeugt. „Das war in der Pandemie so. Das ist jetzt in Zeiten des Krieges in der Ukraine und der massiven Teuerung auch so. Das Land kann hier nur ergänzend eingreifen.“ Der Bund setze viele Maßnahmen, die auch als Gießkanne kritisiert würden. „Ich glaube aber, dass sie notwendig sind. Wir als Land haben zum Beispiel mit der Verdoppelung des Heizkostenzuschusses für sozial benachteiligte Menschen reagiert.“

Er sei überzeugt, dass Österreich auch die aktuelle Krise bewältigen werde, zeigt sich der Landeshauptmann zuversichtlich. „So war es im Grunde auch mit Corona. Im März und April 2020 waren wir sozusagen völlig nackert. Es gab keine Impfung, kein Medikament, wir wussten nicht einmal, dass Masken eine wirksame Schutzmaßnahme sind, heute haben wir immer noch hohe Infektionszahlen – aber das Gesundheitssystem ist nicht überlastet.“ Er hoffe, dass man in ein oder zwei Jahren darüber reden werde können, die Inflation und die Energiekrise in den Griff bekommen zu haben.

Für die Sicherung der Energieversorgung hat die Landesregierung ein großes Ausbauprogramm für Windkraft und Solar angekündigt. „Wir sind unter den alpin dominierten Bundesländern mit weitem Abstand die mit den meisten Windrädern. 104 sind es im Moment. Ein weiterer Ausbau wird funktionieren. Das gilt auch für die Photovoltaik. Ich bekenne mich ganz extrem zum weiteren Ausbau der Wasserkraft. Dort liegt nach wie vor unser größtes Potenzial. Wir müssen die Möglichkeiten entlang der Mur ebenso ausloten wie an anderen Standorten.“

Freizeit hat Christopher Drexler naturgemäß nur mehr sehr wenig. „Was das Laufen und das Wandern angeht, gehört 2022 sicher nicht zu meinen Spitzenjahren. Der Vorsatz bleibt jedoch.“ Weihnachten will der Landeshauptmann mit seiner Familie verbringen. „Die Verantwortung macht keine Pause, aber ich werde das Fest mit Sicherheit entspannt feiern.“

Drexler arbeitet auch, wenn er im Auto unterwegs ist. „Ich habe seit vielen Jahren das Glück, einen Fahrer zu haben. Das darf man sich nicht nur als Privileg vorstellen, das ist vor allem die Gelegenheit, das Fahrzeug als ganz normalen Arbeitsplatz zu nutzen.“ Mehr als 100.000 Kilometer legt man als Landeshauptmann im Jahr zurück.

Auf die Frage nach seinem schönsten Erlebnis zögert der Landeshauptmann keine Sekunde mit der Antwort: „Ich hatte vier wunderschöne Erlebnisse. Das war, vier gesunde Kinder zu bekommen.“ Wenn er einen Wunsch frei hätte, wäre das, „dass der unerträgliche Krieg in Europa endet“.

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Die Karlau wird nach 200 Jahren heller und menschengerechter

 

Der Umbau der Justizanstalt Graz-Karlau läuft auf Hochtouren. Das Gefängnis, das noch aus dem 19. Jahrhundert stammt, soll fit für die Anforderungen des Strafvollzugs im 21. Jahrhundert gemacht werden. Im März 2023 wird der erste von vier Flügeln nicht nur heller und moderner, sondern auch noch sicherer sein.

Als das Schloss Graz-Karlau 1803 in ein Gefängnis umgewandelt wurde, waren die Fenster sehr klein und gegen den Himmel gerichtet. So sollten die Insassen für ihre Verbrechen vor Gott Buße tun – ganz im Sinne der Ideologie jener Zeit. Heute gehen solche baulichen Umstände am Sinn und an den Anforderungen eines modernen Strafvollzuges vorbei. Sogar die Volksanwaltschaft hat festgestellt, dass zu wenig natürliches Licht in die Hafträume gelangt und dass geändert werden muss.

Bis Ende 2025 soll es so weit sein: Für diesen Zeitpunkt ist der Abschluss der umfangreichen Umbauarbeiten in der Justizanstalt geplant. Die wichtigste Veränderung: Alle Zellen im ersten Flügel. Wo auch geistig abnorme Straftäter untergebracht sind, werden Einzelhafträume sein, mehrere Häftlinge in einer Zelle wird es ab dann nicht mehr geben. Und auch die Fenster werden größer und trotzdem entsprechend gesichert. Außerdem wird es in jedem Haftraum ein baulich abgetrenntes WC und eine Minidusche geben.

Dafür werden die bisherigen Mehrbett-Zellen in mehrere kleinere Einheiten geteilt. Dadurch geht in der Karlau – inklusive der Außenstelle Lankowitz - nur wenig Kapazität verloren. Statt derzeit maximal 560 Häftlingen werden dann noch rund 510 Insassen Platz finden. Mit den 65 Bauarbeitern, die am Umbau werkeln, kommen die Häftlinge nicht in Kontakt, sie werden aus Sicherheitsgründen nicht zu den Sanierungsarbeiten herangezogen. Die Kosten betragen rund 33 Millionen Euro. Vier Jahre lang wurde detailliert geplant, bevor der erste Handgriff auf der Baustelle erledigt wurde.

Für das Anstaltspersonal sind die Umbauarbeiten eine große logistische Herausforderung. Einmal in der Woche gibt es eine Besprechung mit den ausführenden Firmen und der Bauaufsicht, in der der aktuelle Baufortschritt und die nächsten Schritte dargelegt werden. Der genaue Überblick ist nötig, um die Insassen zeitgerecht innerhalb des Gefängnisses umsiedeln zu können.

Momentan sind wegen der Umbauarbeiten nur bis zu 450 Menschen in der Strafanstalt Graz Karlau inhaftiert, die von 245 Mitarbeitern überwacht und betreut werden. Häftlinge aus 45 Nationen sitzen in dem Gefängnis ein, knapp mehr als die Hälfte von ihnen sind Ausländer. Die verschiedenen Kulturen, Religionen und unterschiedlichen Sozialisierungen führen naturgemäß zu Spannungen unter den Insassen, die aber von den Justizwachebeamten im Regelfall im Griff behalten werden.

Zu den Aufgaben der Justizwache gehört auch die Kontrolle der Zellen. Dafür werden die Häftlinge abschnittsweise aus den Hafträumen geholt, die dann gründlich durchsucht werden. Der Vorgang wird fotografisch festgehalten, um späteren Beschwerden entgegentreten zu können. Sollte übrigens bei den Kontrollen einmal etwas kaputtgehen, werden die Gegenstände den Gefangenen ersetzt. Nach der Durchsuchung wieder aufräumen müssen sie allerdings selbst. Gefunden werden bei den Kontrollen meist verbotene Handys.

Kontrolliert wird auch die Hygiene – sowohl der Hafträume als auch der Häftlinge selbst. Dies dient unter anderem der Gesundheitsvorsorge in der Anstalt.

Sogar Ehen und Verpartnerung werden in der Karlau geschlossen. Denn auch Häftlinge haben in Österreich das Recht zu heiraten. Manchmal übernimmt auch ein Justizbeamter die Rolle des Trauzeugen, weil die Beamten oft Vertrauenspersonen für die Insassen sind.

Für den interimistischen Leiter der Justizanstalt, Gerhard Derler, der uns durch die Baustelle führte, ist ein respektvoller Umgang mit den Insassen wichtig. „Natürlich müssen wir mit den Häftlingen eine ,gesunde Sprache‘ sprechen und klar stellen, wie die Regeln sind. Aber es gibt einen schönen Spruch: Ächte die Tat und achte den Täter. Das ist das Prinzip in unserem Gefängnis.“

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AMS Graz West und Umgebung im neuen Haus und mit neuen Herausforderungen

Seit August hat das Arbeitsmarktservice Graz West und Umgebung eine neue Adresse: In der Grazer Zollgasse 4 wurde der neue Standort eröffnet. Der fünfstöckige Neubau, in einem zarten Mintgrün gehalten, umfasst eine Gesamtfläche von mehr als 6.500 Quadratmetern und ist der Arbeitsplatz von rund 185 AMS-Mitarbeitern.

„Wir freuen uns, unseren Mitarbeitern und Kunden mit dem neuen Haus ein angenehmes, freundliches, ruhiges und helles Ambiente bieten zu können“, erzählt die stellvertretende Geschäftsstellenleiterin Karin Außerhofer. Graz West und Umgebung ist die größte regionale AMS-Geschäftsstelle Österreichs. 12.500 Kunden werden derzeit dort betreut. Der neue Standort ist mit der Buslinie 52 bzw. in wenigen Minuten zu Fuß vom Grazer Hauptbahnhof aus erreichbar und umfasst ebenfalls das AusländerInnenfachzentrum.

Der Geschäftsstellenleiter Christian Namor und seine Stellvertreterin Karin Außerhofer konnten bei der Eröffnung der neuen Geschäftsstelle zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Allen voran Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher, der eigens aus Wien angereist war. Ebenso anwesend waren unter anderem AMS-Vorstandsvorsitzender Herbert Buchinger, Verwaltungsratsvorsitzender Roland Sauer, Soziallandesrätin Doris Kampus, Bürgermeisterin Elke Kahr sowie Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, der die Segnung des neuen Standortes vornahm.

Der Ballungsraum Graz bedingt eine eigene Dynamik auf dem Arbeitsmarkt, schildert Außerhofer. Dies habe sich speziell in der Corona-Pandemie gezeigt. „In kürzester Zeit musste für viele tausend Betroffene die Existenzsicherung gewährleistet werden. Das wir kaum Beschwerden hatten, macht uns stolz und beweist, wie hervorragend unsere Mitarbeiter arbeiten. Dafür möchten Christian Namor und ich ihnen an dieser Stelle danken.“

Eine Herausforderung, so Außerhofer, sei die Qualifizierungsoffensive während der Pandemie gewesen, welche von einer immensen Vermittlungsoffensive abgelöst wurde, bei der alleine durch die Aktion Sprungbrett 2.100 langzeitbeschäftigungslose Personen wieder in Arbeit gebracht wurden. „Plötzlich haben die Unternehmen händeringend Personal gesucht, und das hat unsere Vermittlerrolle massiv in den Vordergrund gerückt. Dies hat ein hohes Maß an Flexibilität erfordert.“ Dass diese vorhanden ist, beweise allein der Umstand, dass Graz West und Umgebung im Vorjahr als beste Geschäftsstelle in der Steiermark ausgezeichnet worden ist und das beste Ergebnis erzielen konnte.

„Derzeit haben wir einen starken Anstieg der Beschäftigung, der unter anderem einen Arbeitskräftemangel mit sich bringt“, konstatiert die stellvertretende AMS-Geschäftsstellenleiterin. „Wir haben eine so geringe Arbeitslosenquote wie schon lange nicht mehr. Die Herausforderung liegt nun darin, die bestehenden Kunden in Arbeit zu bringen, die häufig unter multiplen Vermittlungshemmnissen leiden. So verringern man- gelnde Sprachkenntnisse, gesundheitliche Einschränkungen sowie unpassende Qualifizierungen die Arbeitsmarktchancen.” Es gehe nun darum, all diese Menschen auf ein Sprach- und Fertigkeitenniveau zu heben, mit dem sie in der modernen Arbeitswelt Chancen haben. „Wir haben zum Beispiel ein Gastrozentrum eingerichtet, das niederschwellig kurze Qualifizierungen anbietet, um die Kunden schnellstmöglich für die Arbeit in der Gastronomie fit zu machen.“

Die Bereitschaft zur Weiterbildung ist laut Außerhofer bei den meisten Kunden über alle Bildungsniveaus hinweg vorhanden. „So haben wir Ausbildungssysteme, die bis zu einem Lehrabschluss qualifizieren, aber genauso braucht es niederschwellige Angebote, um die Kunden auf die Anforderungen der Wirtschaft treffsicher und rasch vorzubereiten. Jemand, der in einem Lager aushilft, braucht keine Lehre in diesem Bereich.“ Das AMS dürfe aber auch in dieser Situation nicht aufhören, Fachpersonal zu qualifizieren, ist Karin Außerhofer überzeugt. Vor allem auch das Arbeitskräftepotential der Frauen soll hier gefördert werden und durch Programme wie FiT – Frauen in Handwerk und Technik speziell dazu motiviert werden, Ausbildungen in nichttraditionellen Berufen zu machen. Ausbildungen können auch in Stiftungen oder durch AQUA, also arbeitsplatznahe, absolviert werden. Es gibt viele Möglichkeiten zum neuen Job und der Bedarf der Betriebe ist groß.

So waren im Sommer 2022 um 23 Prozent mehr offene Stellen gemeldet als noch ein Jahr davor. Gleichzeitig ist die Zahl der vorgemerkten Personen in Graz West und Umgebung um fast 2.000 gesunken. „Diese Lücke gilt es durch unterschiedliche Maßnahmen zu schließen, und unter anderem ist das die Vermittlung, Qualifizierung sowie Steigerung der Erwerbsquote“, sagt Außerhofer.

Zur Steigerung der Übersichtlichkeit über den Stellenmarkt hat das AMS zur Unterstützung arbeitsuchender Menschen mit www.allejobs.at ein Jobportal zur Verfügung gestellt, welches alle ausgeschriebenen Stellen in Österreich und dem Grenzraum sichtbar macht und damit die Jobsuche generell verkürzen soll.

Das Arbeitsmarktservice versucht auf vielen Wegen die Chancen auf eine neue Beschäftigung zu erhöhen, und begleitet Arbeitsuchende zum passenden Job.

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