Schon als Kind zog es ihn über die Wolken

Er ist mit Leib und Seele Pilot, über den Wolken ist für ihn das wahre Leben. Der 32 Jahre alte Stephan Tauschmann machte schon mit 16 den Segelflugschein und steuert heute als Kapitän Passagierjets.

Ganz am Anfang wollte Stephan Tauschmann Bauer werden. „Meine Großeltern haben einen Hof bewirtschaftet. Aber das hat sich relativ schnell geändert. Schon in der Volksschule war ich von Flugzeugen begeistert. Ich baute Modellflugzeuge aus Plastik, die sind natürlich nicht wirklich geflogen.“ Dann kam ein Schulausflug nach Zeltweg, wo gerade die Vorbereitungen für die Flugschau Airpower liefen. „Die Saab Draken haben dafür geübt und ich war unglaublich fasziniert.“

Nach der Hauptschule wechselte Tauschmann an die HTL Bulme, wo er den Elektronikzweig absolvierte. „Dort war für mich klar, ich will Pilot werden. Auch die Feuerwehr oder die Polizei hätten mich gereizt, aber das Fliegen stand viel weiter oben.“

2005 besuchte der Steirer wieder die Airpower. Als er heimkam, sagte er seinen Eltern, er wolle den Segelflugschein machen. „Meine Mama war nicht sehr begeistert. Sie hat das offen gesagt, aber sie hat gewusst, dass sie nichts dagegen tun kann. Ich bin dann zwei- bis dreimal die Woche von Judendorf mit dem Moped zum Flugplatz nach Weiz gefahren und habe die Segelflug-Ausbildung gestartet.“

Gelernt hat Tauschmann das Segelfliegen im Frühjahr und Sommer. „Der Frühling ist die beste Zeit zum Segelfliegen, weil es die kräftigsten Aufwinde gibt“, schwärmt er noch heute. Rund 3.000 Euro kostete der Segelflugschein. „Zum Glück haben mich meine Eltern unterstützt. Das Geld, dass ich in mit Ferialjobs verdient habe – einmal am Bau, dann bei Sappi – steckte ich natürlich voll in die Flugausbildung.“ Insgesamt kostete die Pilotenausbildung rund 60.000 Euro.

Nach der Schule ging Tauschmann zum Bundesheer. „Dort wurden zu der Zeit aber leider keine Piloten gesucht.“ Wieder Zivilist, folgte mit 20 Jahren der Motorflugschein. Der Pilot verdiente mittlerweile bei einem Logistikausrüster sein eigenes Geld. „Ich hatte Gleitzeit, so konnte ich um 15 Uhr zum Fliegen gehen.“ Am Flughafen Graz erwarb Stephan Tauschmann anschließend den Privatpilotenschein PPL. „Das ging dank meiner Erfahrung zum Glück recht rasch. Beim PPL muss man nämlich die Anzahl der Flugstunden bezahlen. Ich war in vier Monaten fertig.“ Mit der Lizenz durfte Tauschmann Passagiere in einer kleinen Propellermaschine zu Rundflügen mitnehmen.

Weil die heimischen Fluglinien zu diesem Zeitpunkt keinen Bedarf an neuen Piloten hatten, legte Tauschmann einen Zwischenstopp in den USA ein. „Das Fliegen dort hat etwas andere Regeln, darum habe ich auch eine amerikanische Lizenz erworben. Das erweitert den fliegerischen Horizont.“

Wieder in der Heimat ergab es sich, dass Tauschmann zur Hagelabwehr gehen konnte. Sieben Jahre flog er unter die Gewitterwolken, um Agrarkulturen vor Hagel zu bewahren. „Hagelflieger schützen Sachwerte und keine Leben. Deshalb muss man das Risiko entsprechend anpassen. Es gibt Gewitterzellen, die sind so mächtig, dass man sie nicht mehr ansteuert. Heldentum ist da fehl am Platz – es geht um Professionalität.“ In einem Hagelsturm seien immense Kräfte am Werk: „Die Aufwinde sind enorm. Da muss man wirklich gut fliegen können, um einigermaßen die Kontrolle zu behalten.“

Die nächsten Schritte waren der theoretische Berufspilotenschein, zweimotorige Flugzeugtypen und Instrumentenflug. Krönender Abschluss war die Berufspilotenausbildung. „Dann kann man sich bei Airlines oder anderen Fluganbietern bewerben.“ Mit der europäischen Lizenz kann Stephan Tauschmann mit kleinen Zusatzprüfungen weltweit fliegen. Beruflich ist er innerhalb Europas unterwegs.

 

2018 heuerte der Pilot bei einer Fluglinie in Wien an. „Nach mindestens 3.000 Stunden im Cockpit kann man sich als Kapitän bewerben. Dafür muss man ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen.“ Von Schwechat aus bedient Stephan Tauschmann seit 1.1. 2022 als Kapitän das gesamte europäische Streckennetz. Fünf Tage Dienst wechseln sich mit drei freien Tagen ab.

Privat lebt Tauschmann seit vielen Jahren mit seiner Freundin Silvia in seinem Heimatort nördlich von Graz. „Sie unterstützt ebenso wie meine Eltern meine Fliegerei“, freut sich der Pilot. Zum gemeinsamen Haushalt gehört auch noch die Katze Zira.

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Premstätten setzt auf viele neue Akzente

Der Allgemeinmediziner Dr. Matthias Pokorn hat Ende Juni des Vorjahres das Amt des Bürgermeisters von Premstätten übernommen. Er will noch mehr Sport- und Freizeitangebote für seine Bürger schaffen. Geplant ist auch die Errichtung eines flächendeckenden Glasfaser-Netzes für Premstätten.

Seit seiner Amtsübernahme hat sich in der Gemeinde bereits einiges getan: So wurde mit dem Bau des dritten Kindergartens in Premstätten begonnen. Auch bürgerfreundliche Maßnahmen wurden gesetzt. So gelten nun am Gemeindeamt längere Öffnungszeiten, um den Einwohnern einen besseren Zugang zu den Gemeindeservices zu ermöglichen.

„Gespräche mit vielen Bürgern, aber auch mit den Vereinsobleuten von Premstätten zu führen, um deren Anliegen zu erfahren, war mir von Beginn meiner Amtszeit an sehr wichtig“, erzählt Matthias Pokorn. Mühsam einarbeiten musste sich der Allgemeinmediziner in seine neue Funktion nicht: „Ich sitze ja seit 2015 im Gemeinderat und war seit 2018 auch Vizebürgermeister. Daher kannte ich die Abläufe.“

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie vor zwei Jahren leitete Pokorn das Krisenteam in Premstätten. „Wir haben eine ganze Reihe von Serviceangeboten geschaffen –Lieferung von Medikamenten oder Lebensmitteln. Mein Vorgänger Anton Scherbinek hat mir da freie Hand gelassen, daher konnte ich mich gut in die Pandemiebegleitung einarbeiten. Ich habe in den zwei Jahren mit einer Menge toller Menschen zusammengearbeitet, von der Polizei über die Rettung bis hin zu unseren Nahversorgern und freiwilligen Helfern. Die Premstättner haben in dieser Zeit gezeigt, dass sie zusammenhalten – wir hatten 120 Freiwillige, die mitgeholfen haben.“

Langzeit-Bürgermeister „Burli“, der der Gemeinde 15 Jahre lang vorstand, hat den Ort natürlich geprägt. Dennoch will Nachfolger Matthias Pokorn durchaus eigene Akzente setzen: „Ich glaube, dass jeder seinen eigenen Blickwinkel auf bestimmte Themen hat und dass es da gewisse Unterschiede gibt. Das ist keineswegs negativ gemeint, aber vielleicht rücken jetzt andere Dinge stärker in den Vordergrund, die ich für wichtig halte.“

Eines der Projekte, die dem Mediziner auf dem Bürgermeistersessel am Herzen liegen, ist der Naturlehrpfad der Gemeinde. „Dieser ist fertig, er bringt Erwachsenen und Kindern die Natur näher. Sie können Tiere und Pflanzen kennenlernen, sie können die vielfältige Landschaft mit Wiesen, Äckern und Wäldern erkunden. Auf 1,2 Kilometern gibt es zahlreiche Schautafeln, die auf spielerische Weise Wissenswertes vermitteln. Der Lehrpfad wird intensiv von Volksschulen und Kindergärten genutzt.“ Ein anschließender Motorikpark soll heuer weiter ausgebaut werden.

Der Bürgermeister will auch Kinder und Jugendliche zu mehr Bewegung motivieren. „Wir haben das Programm Bewegung in der Schule, wo es um die Koordinationsfähigkeit geht und das direkt zeitlich an die Schule anschließt. Mit unseren Sportzentren und Fußballfeldern bieten wir zusätzlich ein umfangreiches Freizeitangebot.“ In dieses Konzept passt auch der Calisthenics-Park, einer Art zu turnen, die aus den USA kommt. „Man muss dafür nicht großartige Turnkenntnisse besitzen, das Ganze ist spielerisch im Freien, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene aufgebaut“, schildert der Gemeindechef.

In der Steiermark fast einzigartig, so der Bürgermeister, sei die Sommerferienaktion. „Wir bieten 90 verschiedene Programme für die Premstättner Kinder. Das reicht von Ausflügen über sportliche und kreative Programme bis hin zu mehrtägigen Camps.“ Pokorn hat die Aktion selbst sieben Jahre lang geleitet. 1.100 Anmeldungen wurden im Vorjahr abgegeben, 350 Kinder nahmen an dem Programm teil. „Die meisten Veranstaltungen sind kostenlos, nur für die größeren Ausflüge müssen die Eltern einen kleinen finanziellen Beitrag leisten.“

Ende Mai, spätestens Anfang Juni wird der neue, dritte Kindergarten der Gemeinde fertiggestellt sein. Vorerst für zwei Gruppen gedacht, kann er bis auf vier Gruppen aufgestockt werden. „Die werden wir irgendwann in der Zukunft auch benötigen.“ Neun Gruppen wird es dann in der Kommune geben, dazu kommen sechs Kinderkrippen-Gruppen.

Premstätten, so Pokorn, kann einen stetigen Zuzug verzeichnen. „Das ist einerseits eine Herausforderung, andererseits bin ich lieber Bürgermeister einer Gemeinde, die wächst, als einer, der die Bürger verliert.“ Im neuen Flächenwidmungsplan wird auf das Wachstum eingegangen: „Wir möchten eine zu starke Bodenversiegelung auch in Zukunft vermeiden“, betont der Ortschef. „Wir kaufen als Gemeinde auch Flächen zu, veräußern aber keine Grundstücke. Wir versuchen diese Flächen dann als Grünraum oder als Sportmöglichkeiten zu gestalten.“

Auch sein Premstätten einer der begehrtesten Wirtschaftsstandorte der Steiermark, was unter anderem auf die hervorragende Anbindung an das übergeordnete Straßen- und Schienennetz sowie die Nähe zum Grazer Flughafen zurückzuführen sei. „Dadurch können wir die Firmen auswählen, die sich bei uns ansiedeln.“

Die vorhandenen Betriebe sorgen für sprudelnde Gemeindeeinnahmen. Premstätten ist eine der reichsten Kommunen der Steiermark. „Das macht die Arbeit für die Bürger natürlich leichter. Aber wir werden sicher nicht das Geld beim Fenster hinauswerfen, nur weil wir es derzeit haben“, versichert der rührige Bürgermeister. Investitionen werde es vor allem in Verkehrssicherheit, Freizeitangebote, Kinderbetreuung und den Hochwasserschutz geben.

Bei der Infrastruktur hat Pokorn eine Breitbandoffensive angekündigt. „Wir haben derzeit eine sehr kupferlastige Internetanbindung, die die Bandbreite begrenzt. Deshalb wollen wir in Richtung Glasfaserkabel bis zum Haus gehen. Das ist eine Zukunftstechnologie, um die wir nicht herumkommen werden. Darum möchte ich das in unserer Gemeinde flächendeckend anbieten. Wir haben bereits mehrere Interessenten für die Realisierung, mit denen wir Gespräche führen. Ich bin zuversichtlich, dass wir noch heuer mit den Grabungsarbeiten für die Glasfaserkabel beginnen können.“

Bei diesen Grabungsarbeiten will der Bürgermeister Synergieeffekte nutzen. Derzeit werde ja die Straßenbeleuchtung auf LED umgerüstet, da könne man die Grabungen zusammenlegen. Die LED-Lösung für die Beleuchtung sei nicht zuletzt eine Frage der Energieeinsparung, sagt Pokorn.

Mit dem neuen Rathaus, das noch Scherbinek umgesetzt hatte, und dem Park davor sieht der Bürgermeister eine massive Aufwertung in der Ortsgestaltung. „Dadurch haben wir einen echten Hauptplatz geschaffen, der Premstätten weg vom typischen Straßendorf hin zu einem Ort mit einem Zentrum gebracht hat.“

Privat lebt der 29-Jährige Mediziner seit acht Jahren mit seiner Melanie zusammen. Sportlich gehört seine Liebe dem Fußball. „Ich habe als Amateur acht Jahre bei Sturm gekickt, derzeit spiele ich in der Kampfmannschaft von Premstätten. Dieses Jahr höre ich aber damit auf.“ Neben Schifahren und Radeln möchte sich der Bürgermeister vermehrt dem Tennis widmen.

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Eine Legende der Grazer Bankenbranche geht in Pension

Nach 44 Jahren im Bankgeschäft geht Manfred Huber, Landesdirektor für die Steiermark der Bank Burgenland Filiale in Graz, Anfang Dezember in den wohlverdienten „Unruhestand“, wie er es nennt. Segeln, die Enkelkinder und Spaziergänge mit seiner Hündin Minni stehen auf dem Pensions-Programm.

Huber absolvierte die Handelsakademie in Graz, die er 1977 mit der Matura abschloss. Während seiner Schulzeit absolvierte er bereits mehrere Ferialpraktika bei seinem späteren Arbeitgeber, der Landeshypothekenbank Steiermark, welche sofort sein großes Potential erkannte und ihn unmittelbar nach seiner Zeit beim Bundesheer als Mitarbeiter anwarb. Dort sollte er für die nächsten 30 Jahre tätig sein und unter anderem das erfolgreiche Ärzte- und Freiberufler-Center aufbauen.

2008 der große Umbruch – ein Anruf der Geschäftsleitung der Grazer Wechselseitigen Versicherung, der für Manfred Huber ein neues Kapitel seines Lebens öffnen sollte. „Man konnte sich vorstellen, dass ich den geplanten Standort der Bank Burgenland in Graz, welche seit 2006 im 100%igen Eigentum der GRAWE steht, als Filialleiter übernehmen und aufbauen sollte – binnen 24 Stunden habe ich zugesagt.“ Ab diesem Zeitpunkt begann die Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht – mittlerweile besteht das Team der Bank Burgenland Graz aus einem zehnköpfigen Mitarbeiterteam.

Der nunmehr bevorstehenden Pension blickt Huber mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. „Ich habe immer gedacht, dass ich mit großer Freude meinen Ruhestand antreten werde – mein Herz hängt jedoch an meinem Team sowie an meinen Kunden, und ich werde auch nach meiner aktiven Leitertätigkeit immer ein offenes Ohr haben und Unterstützung zukommen lassen, wo auch immer ich gebraucht werde“.

Nunmehr werde er sich jedoch verstärkt seiner Familie und seinen Hobbies widmen: Als Privatier will er vor allem viel Zeit mit seinen Enkelkindern verbringen, ausgedehnte Segelreisen, welche er als Skipper leitet, unternehmen und vor allem mit seinen Kochkünsten Familie und Freunde verwöhnen. Auch für Ausflüge mit der Volkstanzgruppe, bei welcher er seit vielen Jahrzehnten aktives Mitglied ist, wird zukünftig mehr Zeit bleiben.

Portrait

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„Der Mischkonsum unterschiedlicher Substanzen ist hochgefährlich und kann mitunter tödlich sein!“

Chefinsp. Erich Schnedl

Seit 1. Dezember des vergangenen Jahres ist Erich Schnedl mit der Leitung des Ermittlungsbereiches Suchtmittel im LKA Steiermark betraut. Der Chefinspektor kann auf langjährige Erfahrungen in dieser Deliktssparte zurückblicken: Mit einer kurzen Unterbrechung ist er seit 2001 in diesem Bereich tätig.

Der Polizeidienst, erzählt Schnedl, bietet ein breites Spektrum von Betätigungsfeldern. Früher oder später kristallisiere sich für jede Polizistin, jeden Polizisten heraus, wo das Eigeninteresse am höchsten ist und welcher beruflichen Herausforderung man sich zukünftig stellen will.  „Bei mir war es von Anfang an die Affinität zum Kriminaldienst, auch wenn man das natürlich nicht gleich am Beginn der Karriere ausüben kann“, sagt der erfahrene Suchtmittelbekämpfer der Steiermark. Man beginne im Regelfall im uniformierten Dienst, sammle Erfahrungen und mache Spezialausbildungen.

Der Kriminaldienst ist jedenfalls kaum vergleichbar mit einem gewöhnlichen Bürojob, der um 8 Uhr beginnt und um 16 Uhr endet, schildert der Suchtgiftermittler. „Wir sind im Grunde fremdbestimmt, abhängig vom Verhalten und den Gewohnheiten der Täter, die sich nicht an Bürozeiten, Wochenenden oder Feiertage halten. Flexibilität und Engagement und das Interesse am Umgang mit vielen verschiedenen Menschen unterschiedlicher Herkunft ist daher in unserem Beruf immens wichtig.“

Im Kriminaldienst, so Erich Schnedl, könne man nur dann erfolgreich sein, wenn man außerdem dazu bereit sei, keine Berührungsängste zu haben und auch über das eigene Bundesland hinausdenke. „Die Täter machen ja nicht an der Grenze halt“. Der Westbalkan ist nicht wirklich weit von unserem Bundesland entfernt, weshalb es wichtig ist, gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt auch die Kommunikation mit Behörden und Organen im Ausland zu pflegen, was mit zunehmender Intensivität bei grenzüberschreitenden Ermittlungen auch geschieht. „Das ist eben auch das Interessante an diesem Beruf, nämlich mit vielen anderen Menschen zu arbeiten und so auch den eigenen beruflichen Horizont zu erweitern.“

Fakt ist aber, dass man als Ermittler auch gefordert ist, auf die eigene Sicherheit zu achten. „Gerade Täter aus den Kriegsgebieten des ehemaligen Jugoslawiens haben oft eine ganz andere, weit niedrigere Hemmschwelle. Die bei Amtshandlungen bestehende Gefährdung ist daher durchaus als latent zu bezeichnen, was aber nicht bedeutet, dass man ein Gefühl der Bedrohung empfinde.”

Wie viele Drogenabhängige es in der Steiermark gebe, lasse sich laut Schnedl nicht festmachen. „Wir haben zwar einen Überblick über jene Menschen, die an Opiat-Substitutionsprogrammen teilnehmen, also synthetische Opiate wie Methadon etc. als Drogenersatz erhalten. Da sind die Zahlen in den vergangenen Jahren konstant. Aber das sagt natürlich nichts über die Anzahl jener Personen, Abhängige aus, die regelmäßig andere Substanzen konsumieren. Die Dunkelziffer ist hier nicht dokumentiert.“

Gefährlich ist der Mischkonsum unterschiedlicher Substanzen. Ebenso ist auch der Konsum „synthetischer Drogen“ in den Augen von Erich Schnedl für die Konsumenten an sich höchst risikobehaftet. „Der Konsument kennt die Zusammensetzung und den Reinheitsgrad zumeist nicht und kann somit auch das mit dem Konsum einhergehende Risiko nicht einschätzen.“ Oft endet der Konsum tödlich: „Wenn ein Abhängiger zum Beispiel eine bestimmte Substanz mit einem 20-prozentigem Reinheitsgrad gewohnt ist und immer eine bestimmte Menge davon konsumiert, ist es enorm gefährlich, wenn er einmal eine Dosis mit einer viel höheren Konzentration erwischt.“

Noch vor einigen Jahren war es möglich, Konsumenten bzw. Abnehmer einer bestimmten Droge zuzuordnen. „Heute verhält es sich aber so, dass nahezu überall in der Steiermark alles erhältlich ist. Gerade junge Menschen haben auch eine wesentlich höhere Risikobereitschaft, all das auszuprobieren. Und dann wird auch jede Substanz konsumiert, ohne dass die Betroffenen wissen, was das überhaupt ist.“ Gefährlich sei der unbedachte Konsum, ist sich der Chef des Ermittlungsbereiches sicher, also „der Konsum von Substanzen, von denen man nicht weiß, wie sie zusammengesetzt sind. Verkauft wird eine Substanz zum Beispiel als Kokain, das aber mit allen möglichen synthetischen Stoffen vermischt ist, von denen man keine Ahnung hat, welche Wirkungen sie haben und welche Gefahren von ihnen ausgehen.“ Die häufigste Todesursache bei Drogen sei eine Mischung von Stoffen.

Aufgaben des Landeskriminalamtes. Insgesamt sei es die Aufgabe des Landeskriminalamtes, darüber Bescheid zu wissen, was sich in der steirischen Drogenszene tue, ob es also in der Steiermark außergewöhnliche Erscheinungen der Drogenkriminalität gibt, ob Netzwerke agieren, die organisiert Drogen verteilen und überregional operieren. Werden solche Phänomene festgestellt, werden eben Ermittlungen eingeleitet, mitunter auch gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden.“

Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit für eine derartige Kooperation ist eine Großaktion der steirischen Suchtgiftermittler gemeinsam mit Finanz- und Lebensmittelbehörden, bei der gegen einige Hanf-Shops und CBD-Produzenten vorgegangen wurde. Cannabidiol oder CBD ist ein legaler Wirkstoff im Hanf, dem im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol THC keine psychoaktive Wirkung zugeschrieben wird und der offiziell als natürliches Beruhigungs- und Schmerzmittel verkauft werden darf. CBD wird aus speziellen, nahezu THC-freien Hanfsorten gewonnen. Die Shops hatten allerdings andere Sorten in Umlauf gebracht, aus denen bis zu 170 Kilogramm Cannabis gewonnen hätten werden können. Cannabis ist in der Steiermark traditionell stark verbreitet, weiß Erich Schnedl. Immer wieder würden sowohl Indoor-Plantagen als auch Outdoorpflanzungen sichergestellt.

Einen Unterschied im Konsumverhalten zwischen wohlhabenden und weniger begüterten Menschen sieht Schnedl übrigens nicht. „Früher hat man gesagt, Kokain sei eine Droge der Reichen. Das ist heutzutage sicher nicht mehr der Fall.“

Die Steiermark liegt auch in geografischer Hinsicht in exponierter Lage. „Bosnien und andere Westbalkanstaaten sind nur wenige Autostunden von Graz entfernt. In diesen Ländern kommen hohe Arbeitslosenraten und damit verbundene Perspektivenlosigkeit und die Verfügbarkeit von illegalen Substanzen zusammen. Die aus und über diese Länder nach Norden transportierten Drogen sind keinesfalls oder nur zu einem geringen Prozentsatz für die Steiermark bestimmt. Unser Bundesland ist aber jedenfalls Transit- und leider auch immer öfter ein Depotland für diese Suchtgifte. Ist die Ware erst einmal in Slowenien oder in Österreich, dann ist sie in der EU und wird von hier aus weiterverteilt.

In der Suchtmittelbekämpfung gehe es nicht um die Kriminalisierung von einzelnen Konsumenten, erläutert Schnedl. „Ein wirklicher Erfolg ist es, kriminelle Strukturen offenzulegen und deren Akteure aus dem Verkehr ziehen können. Im Idealfall können wir auch die illegale Ware sicherstellen.” Können solche Netzwerke zerstört werden, dauert es wieder längere Zeit, bis neue Akteure an deren Stelle treten und diese Schienen effizient bedienen. „Sichergestelltes Suchtgift wird im Regelfall untersucht. Mehrmals im Jahr werden diese Sicherstellungen dann gesammelt vernichtet.“

Nicht alle Ermittlungserfolge werden auch öffentlich bekannt gemacht. Dies geschehe aus ermittlungstaktischen Gründen oftmals nicht. Manchmal gehöre auch Glück dazu, einen Schlag gegen die Suchtgift-Händler führen zu können. „Aber es braucht immer auch solide, konsequente Arbeit für einen Erfolg. Einfach so ein bisschen dahin ermitteln und warten, bis sich das Glücksvogerl auf die Schulter setzt, reicht sicher nicht.“

Der Schlüssel sei die Gewinnung von Informationen. „Selten wird etwas angezeigt, vielmehr ist ein Erfolg die Konsequenz intensiver Ermittlungen. Darum ist auch die schon angesprochene Vernetzung so wichtig. Hier passiert vieles auf gegenseitiger Vertrauensbasis. Dieses Vertrauen muss man sich hart erarbeiten.” Das Bundeskriminalamt unterstützt und koordiniert die Zusammenarbeit innerhalb Österreichs. Die Aufgabe des Landeskriminalamtes ist es, Netzwerker zwischen dem Bundeskriminalamt, den Nachbarbundesländern und -staaten und den steirischen Bezirken zu sein. Die wichtigste Aufgabe ist daher, diese Erkenntnisse entsprechend zu verarbeiten und Ermittlungen zu vernetzen.

Ein Anliegen ist dem Suchtgiftermittler Erich Schnedl auch der eigene Nachwuchs. „Der Ermittlungsbereich soll auch für junge Polizisten attraktiv sein.“ Die rechtzeitige Einbindung junger Menschen gewährleistet einerseits, dass Erfahrungswerte und Kontakte nicht verloren gehen, und bietet andererseits die Möglichkeit, dass althergebrachte Zugänge und Ermittlungstaktiken den Gegebenheiten der Zeit und dem sich ständigen ändernden Kommunikationsverhalten angepasst werden können.“

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„Ich verdanke Primar Nebel einfach alles“

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge geht Fersada Malicevic in Pension: Die gebürtige Bosnierin, die vor kurzem ihren 60. Geburtstag gefeiert hat, war 28 Jahre lang in der Privatklinik Lassnitzhöhe als Krankenschwester tätig und verabschiedete sich nun in ihre wohlverdiente Pension. Primar Dr. Günter Nebel, Betreiber der Privatklinik, feierte in einer kleinen Runde mit seiner langjährigen Mitarbeiterin den letzten Arbeitstag.

„Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, schildert Malicevic ihre zwiespältigen Gefühle. „Einerseits freue ich mich darauf, in Zukunft lang schlafen zu können, andererseits bin ich traurig, denn ich habe gerne in der Privatklinik Lassnitzhöhe gearbeitet und muss mich nun von Menschen trennen, die ich liebgewonnen habe.“

Die Bosnierin hatte in ihrer Heimat zwölf Jahre lang als diplomierte Krankenschwester gearbeitet, als dort der Bürgerkrieg ausbrach. Gemeinsam mit ihrem Mann und den zwei kleinen Kindern flüchtete sie 1992 nach Österreich. Die Familie besaß ursprünglich ein schönes Haus in Bosnien. „Als der Bürgerkrieg begann, stand plötzlich ein Offizier vor der Türe und sagte, dass wir raus müssen, denn das Haus gehört uns nicht mehr. Voller Angst und ohne Ahnung, was aus uns werden sollte, haben wir einen Koffer mit Kinderbekleidung und ein Fotoalbum gepackt und unser Haus verlassen. Die Gefühle möchte ich nicht beschreiben“, erzählt Malicevic schwermütig.

Ihre Flucht dauerte drei Tage und endete erst einmal in Schwanberg. „Nach fünf Monaten sind wir zur Caritas nach Graz gegangen und haben um Hilfe gebeten. Ich durfte zwei Wochen lang auf Kosten der Caritas Deutsch lernen und konnte dann wenigstens so viel, dass ich mich verständigen konnte. Über die Caritas kam ich mit dem Verwaltungsdirektor des damaligen Sanatoriums Lassnitzhöhe in Kontakt, der mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, in der 16 Kilometer entfernten Klinik anzufangen. Sofort nahm ich das Angebot an“, erinnert sich die frisch gebackene Pensionistin.

Anfangs arbeitete sie als Stationshilfe, weil sie noch zu wenig Deutsch konnte. Durch Fleiß und Engagement machte sie bald Karriere, ihr bosnisches Diplom wurde nach ihrer Einbürgerung in Österreich anerkannt, Primar Nebel unterstützte und förderte ihre berufliche Laufbahn.

Es folgten die Positionen als Stationsschwester, einige Zeit lang fungierte Malicevic als Pflegedienstleiterin im Sanatorium. Ab 2012 war die gebürtige Bosnierin für das Hygienemanagement der Klinik verantwortlich und besuchte auch zwei Semester lang den entsprechenden Universitätslehrgang. Sie stieg zur akademischen Expertin für Krankenhaushygiene auf und managte 13 Einrichtungen von Nebels Sanlas Holding. „Der Primar hat mir alle Ausbildungen bezahlt und erlaubt, dass ich sie in meiner Arbeitszeit mache. Ohne ihn hätte ich es nie so weit geschafft“, ist Malicevic heute noch dankbar.

„Er hat mir die Chance gegeben, ich habe sie genutzt und meinen Chef nie enttäuscht und 28 Jahre die Treue gehalten. Ich hätte für ihn alles getan“, sagt die Neo-Pensionistin mit Tränen in den Augen. „Er war ein wunderbarer Chef und Lehrherr.“

Die Pension will die Krankenschwester jedenfalls genießen. Gemeinsam mit ihrem Mann möchte sie reisen, Österreich erkunden, aber auch ihr Heimatland Bosnien besser kennenlernen. Für ihre Enkelkinder will Malicevic ebenfalls mehr Zeit haben.

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Mit Style und Charme zu einer tollen Frisur

 

Ein wunderbares Beispiel für eine Lehre mit Matura ist die fesche Friseurin Anna Hinterleitner. Die junge Stylistin arbeitet im  Art & Fashion Team in der Grazer Leonhardstraße 48, wo sie auch ihre Lehrzeit absolviert hat.

Anna hat die HWL Schrödinger, Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe, besucht und dort maturiert. „Danach habe ich in ein paar Jobs hineingeschnuppert, aber schnell gemerkt, dass das alles nichts für mich ist. Meine beiden Omas sind Friseurinnen, da habe ich mich entschlossen, das will ich auch werden.“

Weil sie maturiert hatte, dauerte die Lehrezeit nur zwei Jahre. „In denen habe ich das Handwerk gelernt“, strahlt Anna. „Sicher habe ich auch auskehren müssen, aber bald durfte ich den Kunden die Haare waschen. Aber ich glaube, Kunden und Chefs gehen anders mit Maturanten um, vor allem weil sie schon älter sind.“

In der Lehrzeit hat Anna an vielen Modellen gearbeitet und geübt. Dafür musste sich eine ganze Schar von Verwandten und Bekannten zur Verfügung stellen. „Meine Mama war oft das Opfer, oder mein Freund, aber auch meine Omas mussten den Kopf hinhalten“, schmunzelt die Haarstylistin. „Auch mit männlichen Bekannten habe ich Friseur-Erfahrungen gesammelt. Beim einen oder anderen hat dann das Ohr leicht geblutet, aber ich sagte mir, das gehört dazu.“

Das erste Mal an den Kopf eines Kunden durfte Anna erst drei Monate vor ihrer Lehrabschlussprüfung heran. „Sie sind ja nur Lehrling“, hat die fesche junge Frau auch nach ihrer Ausbildung noch öfter von Kunden gehört. „Ich habe dann immer geantwortet: Nein, jetzt bin ich Friseurin. Dann hatten die Kunden entweder Vertrauen zu meinem Handwerk - oder eben nicht. Das muss man sich erkämpfen beziehungsweise erarbeiten“, erzählt Anna.

Den Sprung, nicht ewiger Lehrling zu sein, hat sie im Salon bei Art & Fashion  geschafft. „Ich habe meinen eigenen Kundenstamm aufgebaut.“ Den betreut sie mit ebenso viel Schick wie Charme. Auch Prominente waren schon unter Annas Kunden – bekannte Schauspieler und Tennis-Profis zählen dazu. Der Friseurberuf ist Annas Leidenschaft. „Es ist meine Berufung. Ich freue mich, wenn meine Kunden mit meiner Arbeit glücklich sind. Ich gehe abends heim und freue mich in der Früh, wenn ich wieder zur Arbeit gehen darf.“

Natürlich kann Anna auch Dauerwellen wickeln, lieber ist ihr aber, mit Schneiden und Färben eine Top-Frisur zu zaubern. „Das ist mein wahres Talent. Manche Kunden wollen etwas Neues ausprobieren, das ist die größte Herausforderung für mich, weil ich dann experimentieren kann.“ Natürlich könne einmal etwas nicht ganz passen. Anna: „Das ist eben das Handwerk, wir sind keine Maschinen. Aber ich versuche, jeden Tag mein Bestes zu geben, meistens gelingt mir das auch.“ Die Vielseitigkeit ist ihr wichtig: „Jeder Mensch und jede Frisur sind anders, so wird der Job nie langweilig.“

Das Betriebsklima bei Art & Fashion findet die junge Friseurin toll. „Hier geht man höflich und respektvoll miteinander um“, strahlt Anna. Es sei zwar nicht der bestbezahlte Beruf, aber er mache ihr unheimlich viel Spaß.

Schade findet die Haarstylistin, dass viele Eltern und Jugendliche glauben, die jungen Leute müssten studieren, obwohl sie nicht dafür geeignet sind. „Dabei ist ein Handwerk in der heutigen Zeit wieder Gold wert. Friseurin zu sein kann man sicherlich nie verlernen. Dieses Handwerk kann ich jedem empfehlen, der nur annähernd das Gefühl hat, das zu wollen, oder  sogar talentiert ist, diesen Beruf zu erlernen. Was ich gelernt habe, kann mit niemand mehr nehmen, und darauf bin ich richtig stolz.“ Gerade in der Pandemie habe man gesehen, wie wichtig den Menschen die Haare sind, ist Anna überzeugt. „Nach dem Lockdown war für Frau und Mann das erste, einen Friseurtermin auszumachen. Das ist schon eine tolle Anerkennung.“

Anna appelliert an Jugendliche, über eine Lehre nachzudenken. „Klar, anfangs ist man Handlanger, aber jeder Tag bringt dich ein Stück weiter. Wenn du glaubst, dass du in unser Team passt, bewirb dich einfach. Wir freuen uns auf dich.“ 

Portrait

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